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FA(ST)2Africa vor Ort: Klimaforschung, Ausbildung und Partnerschaften in Westafrika

Vertrocknete Böden, veränderte Regenzeiten und eine zunehmende Häufigkeit extremer Wetterereignisse prägen vielerorts den Alltag in Westafrika. Was in Klimamodellen simuliert und analysiert wird, ist vor Ort längst Realität – mit direkten Auswirkungen auf Landwirtschaft, Wasserverfügbarkeit und gesellschaftliche Stabilität.

Vor diesem Hintergrund reiste Dr. Marlon Maranan, Projektkoordinator von FA(ST)2Africa, im Dezember 2025 nach Westafrika. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts NetCDA (Deutsches Netzwerk für akademische Ausbildung zur Anpassung an den Klimawandel in Afrika) besuchte er die Partneruniversität in Akure (Nigeria) und einen NetCDA-Strategieworkshop in Lomé (Togo). Ziel der Reise war es, akademische Ausbildungsformate weiterzuentwickeln, wissenschaftliche Kooperationen zu vertiefen und gemeinsame Strategien für den langfristigen Kapazitätsaufbau im Bereich Klimaanpassung zu stärken. Der direkte Austausch mit engagierten Nachwuchswissenschaftlern vor Ort stimmte Dr. Maranan zugleich nachdenklich und zuversichtlich. „Reisen nach Westafrika bedeuten oft, den Folgen des Klimawandels direkt ins Auge zu blicken. Die Interaktion mit motivierten Jungwissenschaftlern und Doktoranden gibt mir aber immer wieder aufs Neue das Gefühl, dass sie bereit sind für die großen Herausforderungen und Veränderungen“, erläuterte der Meteorologe Dr. Maranan vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am KIT.

Lehre und wissenschaftlicher Austausch in Akure
Erste Station der Reise war die Federal University of Technology Akure (FUTA), eine wichtige Partneruniversität des Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Über das Department of Meteorology and Climate Science ist die FUTA eng in NetCDA eingebunden. Ziel des Projekts ist es, Kapazitäten in der akademischen Ausbildung zu Klimaanpassungsstrategien auf dem afrikanischen Kontinent nachhaltig zu stärken.
Ein zentraler Bestandteil dieser Aktivitäten ist die enge Zusammenarbeit mit dem Graduiertenprogramm von WASCAL (West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use), einem regionalen Klimakompetenzzentrum mit Fokus auf Westafrika. Im Rahmen der Vorlesungsreihe, die während der ersten Monate des WASCAL-Doktorandenprogramms an der FUTA stattfindet, hielt Dr. Maranan eine Blockvorlesung zum Thema „Introduction to the West African Climate System“. Inhaltlich reichte diese von den physikalischen Grundlagen des westafrikanischen Monsuns, möglichen Veränderungen des westafrikanischen Niederschlags im Zuge des Klimawandels und damit die Relevanz von effektiven Klimaanpassungsstrategien.
Neben der Lehre stand auch die strategische Weiterentwicklung der Zusammenarbeit im Mittelpunkt. In Gesprächen mit Prof. Ifeoluwa Balogun, dem Direktor des Graduiertenprogramms „West African Climate System (DRP-WACS)“ der FUTA, wurden gegenwärtige und zukünftige Ansätze zur Stärkung der akademischen Partnerschaft zwischen KIT und FUTA diskutiert. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der strukturellen Weiterentwicklung der Doktorandenausbildung sowie auf langfristigen gemeinsamen Forschungs- und Betreuungsformaten.
Konsortialtreffen und Zukunftsstrategien in Lomé
Die zweite Etappe der Reise führte Dr. Maranan nach Lomé in Togo. Dort fand ein dreitägiges Treffen des NetCDA-Konsortiums statt, an dem Vertreter deutscher Partneruniversitäten, die Direktoren der afrikanischen WASCAL-Graduiertenschulen sowie eine Vertreterin des PT-DLR als Bindeglied zum BMFTR teilnahmen.
Im Zentrum des Treffens stand eine gemeinsame Reflexion der bisherigen wissenschaftlichen und administrativen Entwicklungen des Projekts. Erfolge und Herausforderungen wurden offen diskutiert, insbesondere im Hinblick auf internationale Koordination, administrative Rahmenbedingungen und die Qualität der Doktorandenausbildung. Darauf aufbauend erarbeiteten die Teilnehmenden zukünftige inhaltliche Schwerpunkte und Aktivitäten mit dem Ziel, Forschung, Lehre und Betreuung noch enger zu verzahnen und die Ausbildung afrikanischer Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler weiter zu stärken. Zum Abschluss der Veranstaltung bekräftigten alle Beteiligten ihre gemeinsame Verpflichtung zu einem intensiveren wissenschaftlichen Austausch und zu einer langfristigen Zusammenarbeit im Konsortium.
Bedeutung der Reise für FA(ST)2Africa
Die Projektreise verdeutlicht exemplarisch, wie eng die Ziele von NetCDA mit dem Selbstverständnis von FA(ST)2Africa verflochten sind. Beide Initiativen setzen auf wissenschaftliches Engagement, langfristige Partnerschaften und den Aufbau lokaler Expertise als Grundlage für wirksame Klimaanpassung. Die vor Ort gewonnenen Eindrücke, fachlichen Impulse und strategischen Abstimmungen fließen unmittelbar in die Arbeit von FA(ST)2Africa ein – sei es bei der Weiterentwicklung von Ausbildungsformaten, der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses oder der Stärkung transnationaler Netzwerke.
Damit trägt FA(ST)2Africa dazu bei, Forschung nicht nur über Afrika, sondern gemeinsam mit afrikanischen Partnern zu gestalten. Die Reise von Dr. Maranan zeigt, dass nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels dort entstehen, wo wissenschaftliche Kooperation, institutioneller Kapazitätsaufbau und persönlicher Austausch konsequent zusammengedacht werden.

 

Nominierungen für FA(ST)2Africa Mobility Scholarships sind jetzt möglich!

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Mit den FA(ST)2Africa Kurzzeitstipendien für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie administratives Personal von Universitäten oder anderen relevanten Einrichtungen setzt das KIT ein deutliches Zeichen für den Ausbau strategischer Partnerschaften mit dem afrikanischen Kontinent. Das Stipendienprogramm ermöglicht es KIT-Akteuren, exzellente Forschende oder Verwaltungspersonal aus Subsahara-Afrika für ein bis drei Monate nach Karlsruhe einzuladen.  

Gefördert werden Forschungsaufenthalte, die dazu beitragen, gemeinsame Projekte in Wissenschaft und Lehre aufzubauen oder zu vertiefen – etwa durch Pilotprojekte, Antragsskizzen oder die gemeinsame Publikation zentraler Forschungsergebnisse. Zusätzlich können Personen aus der Administration eingeladen werden, die ein Interesse daran haben, das KIT im Ausbau strategischer Partnerschaften mit Einrichtungen in Afrika zu unterstützen. 

Nominiert werden können promovierte Forschende mit herausragendem wissenschaftlichem Profil und nachgewiesener Erfahrung in internationaler Zusammenarbeit. Beim administrativen Personal sind deren aktuelle Position und ihre Netzwerke vor Ort von Interesse. Voraussetzung ist, dass sie seit mindestens fünf Jahren in einem Land Subsahara-Afrikas leben und zum Zeitpunkt der Auswahl nicht in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in Deutschland stehen. 

Nominierungsberechtigt sind ausschließlich KIT-Mitarbeitende, die aktiv am Projekt FA(ST)2Africa beteiligt sind. Direkte Bewerbungen durch Personen aus Afrika sind nicht möglich. 

Die Auswahl erfolgt durch ein interdisziplinäres Gremium auf Basis wissenschaftlicher Exzellenz, Innovationspotenzial und der Perspektiven für nachhaltige Kooperationen. Es sind bis zu acht Stipendien mit einer Laufzeit von jeweils ein bis drei Monaten vorgesehen, bzw. im Falle administrativen Personals mit einer Laufzeit von ein bis zwei Wochen.  

Details zum Programm

Nächste Einreichfrist: 15. Dezember 2025 

Kontakt und Einreichung: fast2africa∂intl kit edu 

Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen steht die internationale Klimapolitik vor einem neuen Prüfstein. Auf der Weltklimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, bringen Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ihre Expertise ein – unter ihnen Prof. Harald Kunstmann, Leiter der Abteilung Regionale Klimasysteme am Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen. Seit 2015 ist er regelmäßig auf den Weltklimakonferenzen engagiert.

Gemeinsam mit Partnerinstitutionen organisiert Kunstmann am 12. November 2025 das Side-Event „Early Warning, Anticipatory Action and Risk Insurance for Proactive Disaster Management“. Ziel des Events ist es, aktuelle Entwicklungen und Möglichkeiten der Frühwarnung von hydrometeorologischen Extremen wie Dürren, Hitzewellen und Hochwasser besser vorherzusagen, und zwar mit einem Fokus auf den afrikanischen Kontinent. Der Event wurde im mittlerweile etablierten „Co-Design“ über die Kontinente hinweg vorbereitet, „Wir sind Experten in der wissenschaftliche Methodenentwicklung, aber natürlich sind afrikanischen Kollegen und Kolleginnen die Experten vor Ort. Gemeinsam sind wir in der Umsetzung von Frühwarnsystemen sich hervorragend ergänzende Teams.“, sagt Kunstmann.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Fortschritte in der saisonalen Klimavorhersage. In seinem Beitrag „Early Warning for Droughts with Subseasonal to Seasonal Predictions: Current Achievements and Regional Co-design in Africa“ stellt Kunstmann aktuelle Forschungsergebnisse vor, die zeigen, wie sich Dürren mit verbesserten Vorhersagemodellen frühzeitig erkennen lassen. „Wir sind immer besser in der Lage, bis zu sieben Monate im Voraus Anomalien in Temperatur oder Niederschlag vorherzusagen – zwar nicht tagesgenau, aber wir können sagen, ob ein Monat insgesamt zu warm oder zu nass sein wird“, erklärt er. „Besonders in tropischen Regionen ist das immer besser möglich. Mit statistischen Verfahren und Methoden der Künstlichen Intelligenz können wir die Zuverlässigkeit der Roh-Vorhersagen deutlich verbessern und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung.“

Dass sich der Aufwand einer Teilnahme an der COP30 lohnt, ist für ihn keine Frage: „Parallel zu den diplomatischen und politischen Verhandlungen ist die COP eine große Messe, auf der das neueste Wissen ausgetauscht wird, man voneinander lernen kann und schließlich auch neue Klimaschutzmaßnahmen lanciert werden. Die COP ist die einzige Plattform, auf der Forschende, Nichregierungsorganisationen, Unternehmen und politische Entscheidungsträgerinnen und -träger zusammenkommen. Die damit verbundene Dynamik war bei den bisherigen COP ein Motor vieler positiver Entwicklungen.“

Wie beurteilt Kunstmann die Entwicklung in der Klimaforschung? Er hebt besonders die verbesserten Klimadatenverfügbarkeit als einen Meilenstein der vergangenen Dekade hervor: „Der offene Zugang zu Klimadaten über das europäische Copernicus-Programm hat die Forschung entscheidend vorangebracht. Diese Daten sind die Grundlage vieler Analysen und Prognosen zu Wetterextremen oder Wasserverfügbarkeit und schaffen eine gemeinsame Wissensbasis für die internationale Zusammenarbeit.“

Die Arbeiten von Kunstmann und seinem Team sind eng mit den Zielen des KIT-Projekts FA(ST)2Africa verbunden, durch das die Kooperationen mit afrikanischen Partnerinstitutionen gefördert und intensive ausgebaut werden soll. Gemeinsam sollen durch das Projekt Strategien entwickelt werden, um Klima-, Wasser- und Energiefragen praxisnah und regional differenziert zu bearbeiten.

Auch andere Forschende des KIT, darunter Prof. Joaquim Pinto und Prof. Andreas Fink vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Troposphärenforschung (IMK-TRO), betonen die Fortschritte der letzten zehn Jahre. „Die Klimaforschung hat ihr methodisches und inhaltliches Verständnis des Erdsystems deutlich vertieft“, sagt Pinto. „Erdsystemmodelle erreichen heute Kilometerauflösungen und liefern präzisere Simulationen zu Starkregen, Sturzfluten oder Sturmintensitäten.“ Fink ergänzt: „Heute wissen wir noch viel mehr über das Klimasystem – und es gibt keine Entwarnung. Wir haben mehrere potenzielle Kipppunkte besser identifiziert und ihre Wechselwirkungen abgeschätzt. Niemand kann mehr sagen, er habe von diesen Risiken nichts gewusst.“

Zehn Jahre nach Paris zeigt sich damit: Das Wissen über Klimaprozesse ist gewachsen, die Verantwortung auch. Mit Projekten wie FA(ST)2Africa und dem Engagement seiner Forschenden trägt das KIT dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse in Handlungsstrategien zu übersetzen – und globale Kooperationen für den Klimaschutz zu stärken.

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FA(ST)2Africa-Projektleiter Prof. Dr. Andreas Fink betont in seinem Beitrag für das Deutsche Klima-Konsortium, wie entscheidend funktionierende Frühwarnsysteme für Afrika sind. Extreme Dürren und Fluten zeigen: Es braucht ein dichtes Netz an Echtzeitbeobachtungen, verlässliche Vorhersagen und eine schnelle Kommunikation der Warnungen an Bevölkerung und Behörden. Doch Afrika verfügt nach wie vor über das weltweit dünnste Wetterbeobachtungsnetz – und selbst die Satellitenbeobachtung mit Unterstützung der USA könnte künftig eingeschränkt sein.

Eine große Chance liegt im Einsatz von Künstlicher Intelligenz. KI-gestützte Modelle können Vorhersagen verbessern und mit geringer Rechenleistung direkt von afrikanischen Wetterdiensten genutzt werden – vorausgesetzt, es gibt genügend lokale Daten und gut ausgebildete Fachkräfte.

Gerade hier setzt FA(ST)2Africa an: durch den Austausch von Wissen und die Förderung junger Wissenschaftler:innen, die die Klimaforschung auf dem Kontinent aktiv mitgestalten.

Weitere Informationen finden Sie hier. Afrika im klima- und geopolitischen Wandel : Deutsches Klima Konsortium

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Am Freitag, den 16. Mai 2025, begrüßte das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine hochrangige Delegation aus Äthiopien. Die Gruppe setzte sich aus drei Vizepräsidenten führender äthiopischer Universitäten sowie Vertreterinnen und Vertretern des Bildungsministeriums zusammen. Im Zentrum des Besuchs stand der Wunsch, sich über die vielfältigen Forschungs- und Lehraktivitäten am KIT auszutauschen und Anknüpfungspunkte zur Weiterentwicklung der äthiopischen Centers of Excellence zu identifizieren. 

Die Gäste wurden von dem Vizepräsidenten für Lehre und akademische Angelegenheiten, Prof. Alexander Wanner begrüßt. Projektleiter Prof. Andreas Fink stellte anschließend das Strategiefondsprojekt FA(ST)2Africa vor, das zum Ziel hat, die afrikabezogenen Forschungs- und Wissenschaftsaktivitäten am KIT sichtbar zu machen, auszubauen und eine Afrika-Strategie für das KIT zu entwickeln. Zentrale Themenfelder sind dabei Energie, Wasser, Klima und Rohstoffe. 

Anschließend erhielten die Gäste praxisnahe Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte: Im Light Technology Institute stellte Prof. Alexander Colsmann Entwicklungen im Bereich organischer Photovoltaik vor. Am Institut für Wasser und Umwelt informierten Prof. Olivier Eiff, Prof. Erwin Zehe und Dr.-Ing. Frank Seidel über laufende Arbeiten zu hydrologischen Fragestellungen. Den Abschluss des Vormittags bildete die Vorstellung neuester Technologien im Bereich Membranverfahren durch. 

Am Nachmittag zeigte Prof. Andrea Iris Schäfer die Arbeiten am Institut für Advanced Membrane Technology, das im Campus Nord verortet ist. Anschließend gaben Prof. Wilhelm Stork und Markus Lehner Einblicke in aktuelle Projekte zu Embedded Systems und Sensorik am FZI . 

Die Delegation zeigte sich beeindruckt vom Innovationspotenzial und dem interdisziplinären Ansatz des KIT. Besonders der offene Dialog und das Engagement für nachhaltige Partnerschaften wurden hervorgehoben.