Von Karlsruhe nach Nairobi: Wenn aus Kontakten echte Begegnungen werden

Zwei diskutierende Personen mit Laptops an einem Tisch in einem Büro. INTL
Internationale Zusammenarbeit wirkt

Klima, Wasser und Energie sind in Ostafrika Alltagsthemen. Wie kann das KIT dabei mitwirken? Zum Beispiel, indem es eine Plattform für persönlichen Austausch schafft: In Kenia hat das KIT Menschen aus Forschung, Innovation und Organisationen, die Zusammenarbeit möglich machen, aus der Region zusammengebracht. Tu-Mai Pham-Huu aus der internationalen Kommunikation berichtet von ihren Eindrücken.

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Manchmal merkt man erst vor Ort, warum internationale Zusammenarbeit mehr ist als ein Punkt in einer Strategie. Nairobi war für mich genauso ein Moment.
Drei Tage lang haben wir uns dort mit Partnerinnen und Partnern aus Ostafrika getroffen – WissenschaftlerInnen, HochschulvertreterInnen, Innovationsakteure, Förderorganisationen. Offiziell hieß das Ganze FA(ST)²Africa Networking Meetings. Inoffiziell war es vor allem eines: ein intensiver Austausch darüber, wie globale Herausforderungen gemeinsam angegangen werden können – und warum genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Schon nach den ersten Gesprächen wurde klar: Afrika ist kein „Thema“. Afrika sind Menschen, Institutionen und enorme wissenschaftliche Kompetenz in verschiedensten Disziplinen. Diese Interdisziplinarität aus Klimawissenschaften, Energieforschung oder Informationswissenschaften war es, die dieses Treffen besonders offen für neue Ideen machte.
Große Themen, ganz nah
Begriffe wie Klimawandel, Wasser oder Energie haben hier nichts Abstraktes. Wenn jemand über Regen spricht, dann geht es nicht um Statistik, sondern um die letzte Saison. Um Felder, die trocken geblieben sind, weil der erwartete Regen ausblieb. Oder um Regionen, in denen plötzlich zu viel Wasser auf einmal da war – dabei kamen die Beispiele auch aus deutschen Regionen, die mit Überflutungen zu kämpfen hatten.
Diese Nähe hat die Gespräche geprägt. Es ging um sehr konkrete Fragen:
Wie früh kann man Wetterextreme erkennen? Was passiert, wenn Daten fehlen? Welche Lösungen funktionieren unter realen Bedingungen und welche nur auf dem Papier?
Was mich dabei besonders beeindruckt hat: Sowohl das KIT als auch die afrikanischen Partner kamen nicht mit fertigen Vorstellungen, sondern mit eigenen Ideen und Prioritäten und viel Lust, Dinge gemeinsam weiterzudenken.
Frühwarnsysteme, neue KI-Ansätze, Landnutzung, Wassermanagement – all das tauchte immer wieder auf. Aber es blieb nicht nur beim Buzzword. Schon am Frühstückstisch wurde beim ersten Cappucino schon darüber diskutiert, wer eventuell mit wem welche Maßnahme ergreifen könnte, damit Dinge in die Wege geleitet werden können. Bei gemeinsamen Mittag- und Abendessen fanden sich immer wieder neue Tischnachbarn, die über neue Fördermöglichkeiten für gemeinsame Projekte sprachen.
Projektpartner und potenzielle Förderer an einem Tisch
Besonders gelungen war die Mischung von VertreterInnen von Organisationen wie DAAD, GIZ und der Deutschen Botschaft. Hier waren Akteure vor Ort, die Förderprogramme, Rahmenbedingungen und internationale Kontexte kennen – und die für alle auch zwischen den Panels bei einem informellen Kaffee in der Pause ansprechbar waren.
So wurde das Treffen ganz bewusst als Kennenlern- und Matchingplattform angelegt. Wissenschaft, Institutionen und mögliche Förderperspektiven kamen zusammen, konnten sich beschnuppern, andocken, weiterdenken.
Warum das KIT hier gut andocken kann
Und wie passt das denn nun zum KIT? Hauptsächlich, indem wir nicht die eine Lösung anbieten, sondern indem wir Zusammenhänge sehen und verbinden.
Klima, Wasser und Energie lassen sich nicht getrennt betrachten. Und genau hier ist die  interdisziplinäre Perspektive – von Klimaforschung über Hydrologie und Energietechnik bis hin zu Datenanalyse und KI – so anschlussfähig.
Genauso wichtig: Wir haben zugehört, nicht nur zu vorgetragen und erklärt. Uganda ist nicht gleich Äthiopien oder Kenia. Klingt erst mal banal, muss man sich aber wirklich noch einmal bewusst machen: Lokale Kontexte, regionale Expertise und sehr unterschiedliche Forschungsrealitäten wurden in den Gesprächen herausgearbeitet. Und hier entstand dann gemeinsames Weiterdenken jenseits von Standardlösungen.
Der Konferenzort – eine grüne Oase 
Mindestens so entscheidend wie die Inhalte war das Setting: Das Konferenzhotel lag bewusst nicht mitten im hektischen Stadtzentrum, sondern in einer ruhigeren Umgebung - mit viel Grün, entspannter Atmosphäre und Raum zum Durchatmen. Es hatte fast schon Klausurcharakter: Das hat einen spürbaren Unterschied gemacht.
Die Gespräche endeten nicht mit dem letzten Programmpunkt, sondern begannen manchmal erst beim Kaffee, zwischen zwei Sessions oder beim Spaziergang über das parkähnliche Gelände mit imposanter heimischer Flora. Je informeller die Begegnungen wurden, desto offener wurden die Themen und desto mehr Aha-Erlebnisse gab es.
Am dritten Tag gingen die Teilnehmer, alles hochranginge Forscher mit internationaler Erfahrung, spürbar offenener miteinander um als am ersten. Vertrauen entsteht nicht im Plenum, sondern dazwischen. Und dieses Vertrauen und die persönlichen Begegnungen schaffen die Basis für eine effizientere Zusammenarbeit in der Zukunft. Man habe ein Gesicht zu den Namen, das mache die Sache viel einfacher, wenn man in Zukunft eine Mail erhält, war die einstimmige Meinung.
Wie geht es weiter?
Natürlich ist Nairobi kein Endpunkt und der Workshop kein Selbstzweck. Es war das zweite Treffen dieser Art, das erste fand in Stellenbosch, Südafrika, im Oktober 2025 statt – ein weiteres in einem anderen Teil Afrikas ist für 2026 geplant.

Die Gespräche, Ideen und Kontakte werden nun ausgewertet, weitergedacht und – idealerweise – in konkrete nächste Schritte übersetzt.
Für mich bleibt vor allem ein Eindruck hängen: Internationale Zusammenarbeit wirkt und hält echte Chancen bereit, wenn sich Menschen vor Ort zusammen tun, gemeinsame Themen haben und die Haltung von Neugier, Offenheit und echtem Gestaltungswillen geprägt ist.
(Karlsruhe, Januar 2026)

Zum Hintergrund

An den FA(ST)²Africa Networking Meetings in Nairobi nahmen Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Universitäten und Institutionen aus Ostafrika teil – darunter unter anderem die University of Nairobi, die Kenyatta University, die Technical University of Kenya, die Makerere University (Uganda), die Arba Minch University (Äthiopien) sowie die University of Dar es Salaam (Tansania). Ergänzt wurde das universitäre Spektrum durch Akteure aus Hochschulpolitik, Innovationsförderung und internationaler Zusammenarbeit, darunter die Commission for University Education (Kenia), die Kenya National Innovation Agency, der Inter-University Council for East Africa, der DAAD, die GIZ und die Deutsche Botschaft in Nairobi.

Abenteuer Fahrrad - Auf zwei Rädern ins Auslandssemester

Über 1.800 Kilometer mit dem Fahrrad ins Auslandssemester: Zwei KIT-Masterstudierende entscheiden sich bewusst gegen das Flugzeug und für eine nachhaltige Anreise quer durch Europa. Ihre Reisen nach Island und Schweden zeigen, wie Mobilität, Abenteuer und Nachhaltigkeit zusammengehen – und was man unterwegs über sich selbst lernt. Maylin Özbilgic hat mit ihnen gesprochen.

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Wenn man an ein Auslandssemester denkt, hat man oft Flugbuchungen, Kofferstress und Flughafensicherheit vor Augen. Nicht so Julian und Arnd. Die beiden Masterstudierenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entschieden sich unabhängig voneinander für eine ungewöhnliche, aber nachhaltige Anreise: mit dem Fahrrad jeweils über 1.800 Kilometer durch Europa.
Das International Students Office des KIT hat für Studierende, die mit dem Rad anreisen möchten, die „Green Challenge“ ins Leben gerufen. Was für beide als persönliche Herausforderung begann, wurde ganz nebenbei auch ein Beitrag zu dieser Challenge.
„Ich bin einfach losgefahren“ - Julians Weg nach Island
Julian, der Elektro- und Informationstechnik studiert, wusste zunächst gar nichts von der GreenChallenge, als er sich auf den Weg nach Island machte. „Ich hatte schon einige Fahrradreisen hinter mir“, erzählt er. Direkt nach den Prüfungen startete der 24-jährige mit dem Zug nach Hamburg, von dort aus weiter per Rad durch Dänemark zur Fähre nach Island und schließlich quer durchs isländische Hochland. Insgesamt war er 17 Tage unterwegs: 12 Tage auf dem Rad, 2 auf der Fähre, 3 für Pausen.
Die offizielle Rückmeldung zur GreenChallenge kam erst später per E-Mail mit der Antwort: „Schön, dass Sie teilgenommen haben.“
„Es war eine rationale Entscheidung“ - Arnd radelt nach Schweden und wieder zurück
Das Ziel vom 24-jährigen Arnd: Die KTH in Stockholm, um dort „Funktionaler und konstruktiver Ingenieurbau“ zu studieren. „Ich bin sehr offen für andere Kulturen, und da ich noch nie in Dänemark oder Schweden war, bot sich die Gelegenheit“, sagt er. Der Blick auf Google Maps, die Fährverbindungen und Abenteuerlust gaben den Ausschlag für die elftägige 1800 km lange Anreise vom KIT nach Schweden.
Die 2450 km lange Rückfahrt nach abgeschlossenem Auslandsjahr durch das Baltikum, Polen und Tschechien bis nach Karlsruhe unternahm der gebürtige Heidelberger mit einem Freund. Ein Kontrast zur Solo-Hinfahrt und ein echtes Freundschaftsprojekt: „Wir haben Herausforderungen zusammen gemeistert und unsere gute Laune auch bei wenig Komfort behalten. So lernt man sich nochmal ganz anders kennen.“
Inspiration aus dem Elternhaus und Widrigkeiten der Reise
Die Masterstudenten, Arnd und Julian, bringen unterschiedliche Motivationen mit. Julian wollte bewusst aufs Fliegen verzichten - seine letzte Flugreise war 2018. Arnd wiederum wurde durch seine Familie geprägt: „Meine Eltern hatten früher Fahrradurlaube gemacht und davon geschwärmt.“ Seine erste eigene Tour führte ihn mit einem klapprigen Bahnhofsrad zu seiner Oma ins Saarland - ohne Navi, nur mit einem Zettel, auf dem alle zu durchfahrende Orte notiert waren. Rückblickend meint er: „Gerade am Anfang ist es gut, wenn nicht alles perfekt läuft.“
Trotz Erfahrung war die Reise für beide kein Selbstläufer. Julian erinnert sich besonders an seine Ankunft in Island, bei „dem schlechtesten Wetter des Sommers“: Regen, Nebel, tiefhängende Wolken. „Ich kam aus Dänemark mit Sonne und auf einmal war alles grau.“ Das Tief hielt eine Woche an. Auch ein schmerzendes Fußgelenk brachte ihn aber nicht vom Kurs ab: „Man muss halt eine Lösung finden. Aufgeben ist keine Option.“
Arnd kämpfte mit langen Etappen: „Die letzten drei Tage mit jeweils 200 Kilometern haben viel Kraft gekostet. Ich habe auf dem Hinweg sechs Kilo abgenommen.“ Auch auf der dreiwöchigen Rückfahrt forderte das Wetter ihm Einiges ab - Regen und Gegenwind zerrten an den Nerven. Was half? „Nicht zu viel nachdenken, einfach weiterfahren und sich auf das Abendessen freuen.“
Begegnungen unterwegs - kurz, aber prägend
Bei all den Erfahrungen bleiben ein paar Highlights besonders in Erinnerung. Für Julian war das eine zufällige Begegnung mit einem französischen Radfahrer: „Wir haben einen lustigen Tag zusammen im Camp verbracht, weil das Wetter zu schlecht zum Weiterfahren war. Wir konnten uns sehr viel austauschen was unsere Reisen und Erfahrungen angeht.“
Arnd erlebte gleich mehrere Momente, die ihm im Gedächtnis blieben. In Lübeck sprach er mit einem älteren Herrn am Backfischstand über dessen bewegte Lebensgeschichte. Auf dem Rückweg folgte ihm ein streunender Hund kilometerweit, bevor sich ihre Wege nach Teilung des Proviants wieder trennten.
Ausfälle, Herausforderungen und Erkenntnisse
Julian hatte Glück - keine Pannen, keine Ausfälle. Bei Arnd sah es anders aus: Ein knackendes Tretlager begleitete ihn über viele Tage. Das Ersatzteil kam zwar an eine Packstation an der deutsch-dänischen Grenze, aber zu spät. „Nach zwei Wartetagen bin ich einfach mit dem Knacken weitergefahren.“ Auf der Rückfahrt legte ein Wasserschaden das Handy lahm. Drei Wochen Digital-Detox, „was der Reise im Nachhinein sogar gutgetan hat.“
Beide sind sich einig: Nicht die körperliche Belastung war das Schwierigste, sondern die mentale Ausdauer. Bei Regen das Zelt abbauen, weiterradeln trotz Frust, allein sein. Musik, Gespräche mit Anderen, kleine Routinen - das half.
Was Julian bei vorherigen Reisen gelernt hat, konnte er hier direkt umsetzen: Probleme pragmatisch lösen. Auch Arnd sieht es so und betont: „Man lernt, dass alles irgendwie klappt - nur selten wie geplant.“ Und weiter: „Je weniger man hat, desto leichter fährt es sich - sinnbildlich fürs Leben.“
Neue Perspektiven auf Mobilität und Konsum
Beide ziehen ähnliche Schlüsse: Nachhaltiges Reisen ist möglich, aber aufwendig. „Ich habe niemanden getroffen, der ohne Flug nach Island kam“, sagt Julian. Arnd, selbst begeisterter Radfahrer, hat eine neue Perspektive gewonnen: „Wie wenig man wirklich braucht und wie viel Alltagsluxus man oft gar nicht mehr wahrnimmt.“ Julian erklärt heute: „Wenn der Aufwand kleiner wäre, würden das bestimmt viel mehr Leute machen.“ Auch für zukünftige Reisen haben er und seine Freundin schon eine Kombination aus Zug und Rad geplant - ein Kompromiss, aber ein bewusster.
Arnd meint rückblickend: „Mit jedem Tag kommt man weiter. Und jeder Tag ist eine Gelegenheit, Neues zu lernen. Über sich selbst, andere Menschen und das Leben unterwegs.“
Beide zeigen: Man muss kein Aktivist sein, um nachhaltig zu handeln. Manchmal reicht eine mutige Entscheidung oder einfach die Lust auf ein Abenteuer, das mehr verändert, als man vorherahnt.
 
🎥 Julians Reise kann man auf seinem YouTube-Kanal nachverfolgen, unter dem Titel: A Tour of Ice and Fire.
📸 Zu Arnds Reisen gibt es auf seinem Instagramkanal (arnd.hanisch) Kurzvideos.
📢 Die „Green Challenge“ des International Students Office läuft auch für Erasmus+Aufenthalte im akademischen Jahr 2025/26. Melden Sie sich bei erasmus-out does-not-exist.intl kit edu, wenn Sie sich mit dem Fahrrad auf den Weg machen, ob aus dem Ausland ans KIT oder vom KIT ins Erasmussemester. Dokumentieren Sie eure Reise und gewinnen Sie tolle Preise!
(Karlsruhe, Dezember 2025)
Studierende mit Fahrrad Arnd Hanisch
Der Weg ist das Ziel - Erasmus+ per Fahrrad