Der Erfolg von FA(ST)2Africa basiert auf den Menschen dahinter – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Partnern, die sich durch Vernetzung und exzellente Forschung für die Bewältigung der drängenden Herausforderungen Afrikas einsetzen.

FA(ST)2Africa bringt Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen. Ihr Engagement konzentriert sich auf die Förderung der Forschung in Schlüsselbereichen wie Energie, Wasser, Rohstoffe und Klima. Gleichzeitig zielt die Initiative darauf ab, langfristige und nachhaltige Partnerschaften mit Institutionen und Gemeinschaften auf dem gesamten afrikanischen Kontinent zu fördern.

Durch die Stärkung der Verbindungen zwischen Menschen, Disziplinen und Regionen möchte FA(ST)2Africa auch zum globalen wissenschaftlichen Dialog beitragen. Wir stellen hier einige der beteiligten Personen vor, um ihre Motivation zu erfahren und ihre Beiträge sichtbar zu machen. Ihre Geschichten sollen zur Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Herausforderungen Afrikas durch Forschung und Innovation inspirieren.

 

„Internationale Zusammenarbeit kann weit über einzelne Forschende hinaus Wirkung entfalten“

Dr. Elijah Omolo Ayieta ist Dozent für Physik an der University of Nairobi in Kenia. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Festkörperphysik, bei modernen Materialien und in der Nanotechnologie – mit Anwendungen von der Solarenergie bis hin zu Dünnschichten und nanostrukturierten Materialien. Als FA(ST)²Africa Scholar verbrachte er einen Forschungsaufenthalt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), um neue Möglichkeiten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit auszuloten und die Verbindungen zwischen beiden Institutionen zu stärken. Im Interview spricht er über seinen wissenschaftlichen Werdegang, vielversprechende Felder für künftige Kooperationen und darüber, warum internationale Forschungsaufenthalte weit über die einzelnen Forschenden hinaus Wirkung entfalten können.

Dr. Ayieta, was hat Sie zur Physik gebracht und wohin hat Sie Ihr wissenschaftlicher Weg bislang geführt?

Mich hat schon immer fasziniert, wie die physikalische Welt funktioniert. Meine akademische Laufbahn begann an der Egerton University in Kenia, wo ich Mathematik und Physik studierte. Anschließend absolvierte ich einen Master of Science in Physik an der Miami University in Ohio und promovierte danach an der Purdue University im Bereich der Quantenfestkörperphysik.

Heute beschäftige ich mich in meiner Forschung mit modernen Materialien und ihren Anwendungsmöglichkeiten, darunter Dünnschichten, nanostrukturierte Materialien, Photokatalyse und Wasseraufbereitung. Besonders interessiert mich, wie wir durch die präzise Kontrolle von Materialien auf der Nanoskala Lösungen für konkrete Herausforderungen entwickeln können. Diese Verbindung von physikalischer Grundlagenforschung und praktischen Anwendungen finde ich besonders spannend.

Was zeichnet die University of Nairobi und die physikalische Forschung dort aus?

Unsere Universität verbindet Lehre und Grundlagenforschung mit einem starken Anspruch, Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Am Department of Physics gehören Laserspektroskopie, Festkörperphysik und Astrophysik zu wichtigen Forschungsfeldern. Hinzu kommen interdisziplinäre Verbindungen zu Bereichen wie der Biotechnologie.

Dieses multidisziplinäre Potenzial sehe ich als eine unserer besonderen Stärken. Meine eigene Forschung beispielsweise verbindet Festkörperphysik und Materialwissenschaften mit umweltbezogenen und technologischen Anwendungen. Wenn unterschiedliche Disziplinen zusammenkommen, eröffnen sich Möglichkeiten, komplexe Probleme anzugehen, die sich aus der Perspektive eines einzelnen Fachgebiets nur schwer lösen lassen.

Wo sehen Sie besonders vielversprechende Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit dem KIT?

Großes Potenzial sehe ich im Bereich der Solarenergie, insbesondere bei der Entwicklung moderner Halbleitermaterialien und nanostrukturierter Systeme, mit denen sich Lichtabsorption, Ladungstrennung und Energieumwandlung verbessern lassen. Auch in der Festkörperphysik, bei Quantenmessungen und in der Quantenkommunikation sehe ich vielversprechende Kooperationsmöglichkeiten.

Die wissenschaftliche Expertise und die Forschungsinfrastruktur unserer Institutionen ergänzen sich sehr gut. Das bietet eine gute Grundlage für Projekte, die wissenschaftlichen Anspruch mit praktischer Relevanz verbinden. Die Zusammenarbeit könnte mit gemeinsamen Experimenten, der Betreuung von Studierenden und gemeinsamen Publikationen beginnen und sich anschließend zu größeren Verbundprojekten und internationalen Förderanträgen weiterentwickeln.

Langfristig würde ich mir insbesondere multidisziplinäre Projekte wünschen, die Solarenergie, Festkörperphysik und Quantentechnologien miteinander verbinden.

Wie haben Sie das KIT als Forschungseinrichtung erlebt?

Mein Eindruck war ausgesprochen positiv. Besonders beeindruckt haben mich die moderne Forschungsinfrastruktur sowie die Methoden und Geräte, die den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung stehen. Sie ermöglichen anspruchsvolle Experimente und die Untersuchung wissenschaftlicher Fragestellungen auf einem Niveau, das ohne eine solche Ausstattung nur schwer zu erreichen wäre.

Ebenso wichtig war für mich der Austausch mit den Forschenden. Ich habe ein sehr offenes, unterstützendes und professionelles Umfeld erlebt, das viele Möglichkeiten bietet, Ideen zu diskutieren und neue Forschungsrichtungen auszuloten. Mein Aufenthalt hat mich in der Überzeugung bestärkt, dass es eine hervorragende Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen dem KIT und der University of Nairobi gibt.

Welche Rolle spielt internationale Zusammenarbeit bereits an der University of Nairobi?

Sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Forschung und akademischen Weiterentwicklung. Ein Modell sind gemeinsame Betreuungen und sogenannte Sandwich-Programme. Studierende können einen Teil ihrer Forschung an einer internationalen Partnerinstitution durchführen, dort spezialisierte Forschungsinfrastruktur und Expertise nutzen und anschließend an die University of Nairobi zurückkehren, um ihr Studium abzuschließen und ihren Abschluss zu erwerben.

Unsere Zusammenarbeit mit dem KIT ist dafür ein gutes Beispiel. Die Studierenden profitieren von einem hochentwickelten internationalen Forschungsumfeld, während die University of Nairobi vom Wissenstransfer, neuen wissenschaftlichen Kompetenzen und engeren Verbindungen zu internationalen Forschenden profitiert. Die gemeinsame Betreuung ermöglicht es den Studierenden zudem, die sich ergänzende Expertise von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beider Institutionen zu nutzen.

Deshalb bin ich überzeugt, dass solche Partnerschaften für beide Seiten von Vorteil sind. Sie eröffnen nicht nur einzelnen Forschenden neue Möglichkeiten, sondern können die Forschungskapazitäten auf institutioneller Ebene nachhaltig stärken.

Was nehmen Sie persönlich aus Ihrer Zeit in Karlsruhe mit?

Mein Aufenthalt war sehr positiv, motivierend und wissenschaftlich bereichernd. Die Arbeit mit moderner Forschungsinfrastruktur und der Austausch mit Forschenden unterschiedlicher fachlicher und kultureller Hintergründe haben mein wissenschaftliches Wissen erweitert und mir neue Perspektiven auf Forschung und Innovation eröffnet.

Auch Karlsruhe habe ich als einen gastfreundlichen und anregenden Ort zum Arbeiten erlebt. Vor allem nehme ich neue Ideen und Kontakte mit nach Hause, aus denen hoffentlich weitere Forschungsaktivitäten und langfristige Kooperationen entstehen werden.

Welches Potenzial sehen Sie für FA(ST)²Africa in der Zukunft?

Eine der größten Stärken von FA(ST)²Africa liegt für mich in der Verbindung von Wissensaustausch, Forschungskooperation, Kapazitätsaufbau und der Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Wirkung einer solchen Initiative kann weit über den Aufenthalt einzelner Forschender hinausreichen.

Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit neuen Fähigkeiten, Erfahrungen und internationalen Netzwerken an ihre Universitäten zurückkehren, können sie dieses Wissen an Studierende sowie Kolleginnen und Kollegen weitergeben. Sie können neue Forschungsprojekte entwickeln, die Möglichkeiten ihrer Labore erweitern und weitere internationale Kooperationen anstoßen. Dadurch entsteht ein Multiplikatoreffekt, der dazu beiträgt, wissenschaftliche Kapazitäten nachhaltig aufzubauen.

Mit Blick auf die Zukunft sehe ich großes Potenzial für FA(ST)²Africa, langfristige gemeinsame Forschungsprojekte, den Austausch von Studierenden und Forschenden, gemeinsame Betreuung, wissenschaftliche Publikationen und wettbewerbsfähige internationale Förderanträge voranzubringen. Die Initiative kann dazu beitragen, stärkere Netzwerke zwischen afrikanischen und europäischen Institutionen in Forschungsfeldern von gemeinsamem Interesse aufzubauen – von erneuerbaren Energien und modernen Materialien über Quantentechnologien bis hin zu Umweltforschung und Biotechnologie.

Für mich liegt darin der nachhaltige Wert von FA(ST)²Africa: Internationale Zusammenarbeit kann einzelne Forschende voranbringen und zugleich wissenschaftliches Wissen, Netzwerke und Forschungskapazitäten über institutionelle Grenzen hinweg stärken.

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„Menschen übernehmen Verantwortung für das, was sie selbst mitgestaltet haben."

Professor Leonard K. Amekudzi ist Meteorologe und Klimawissenschaftler an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi, Ghana. Als FA(ST)²Africa Scholar verbrachte er zwölf Wochen – drei Monate – am KIT, um Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Universitäten und dem KIT auszuloten. Im Interview erklärt er, warum erfolgreiche Forschungspartnerschaften auf gemeinsamer Entwicklung beruhen, was Hochschulen voneinander lernen können und weshalb ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn ebenso wichtig sein kann wie wissenschaftliche Exzellenz.

Könnten Sie sich kurz vorstellen und uns etwas über Ihren wissenschaftlichen Werdegang erzählen?

Mein Name ist Professor Leonard K. Amekudzi, und ich stamme aus Keta in der Volta-Region Ghanas. Nach dem Besuch der Awudome Senior High School in Tsito und der St. Thomas Aquinas Senior High School in Accra studierte ich Physik an der University of Cape Coast, wo ich einen Bachelor of Science sowie ein Diplom in Pädagogik erwarb.

Nach meinem National Service als Teaching Assistant und einigen Jahren als Physiklehrer an der Mfantsipim Senior High School kehrte ich für mein Masterstudium an die Universität zurück. Anschließend ging ich nach Deutschland, um an der Universität Bremen in Atmosphärenphysik zu promovieren.

Heute bin ich Professor an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi. Meine Forschungsschwerpunkte sind Wettervorhersage, Klimavariabilität, Klimadienstleistungen, Fernerkundung sowie die Nutzung von Erdbeobachtungsdaten zur Unterstützung von Gesellschaft, Landwirtschaft und nachhaltiger Entwicklung.

Wie entstand Ihr Interesse an Meteorologie und Klimawissenschaften?

Mein akademischer Hintergrund liegt in der Physik, doch schon bald faszinierte mich die Atmosphäre mit all den physikalischen Prozessen, die Wetter und Klima bestimmen. Mir wurde bewusst, dass bessere Wettervorhersagen einen ganz konkreten Unterschied im Leben der Menschen machen können. Verlässliche Wetterinformationen sind für Landwirtschaft, Verkehr, Wassermanagement und Katastrophenvorsorge von entscheidender Bedeutung. Das hat mich dazu inspiriert, mich zunächst auf Meteorologie und später auf Klimawissenschaften zu spezialisieren.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit in Ihrer Forschung?

Meine Forschung konzentriert sich auf Wettervorhersage, Klimavariabilität, Klimadienstleistungen und Erdbeobachtung. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit widmet sich der Verbesserung von Vorhersagesystemen für Westafrika. Gerade dort sind zuverlässige Wetterinformationen für Landwirtschaft, Wassermanagement und Katastrophenvorsorge besonders wichtig.

Darüber hinaus entwickle ich Klimadienstleistungen, die wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Entscheidungshilfen für Regierungen, Landwirte und andere Akteure übersetzen. Außerdem arbeite ich mit Satellitenbeobachtungen und numerischen Wettervorhersagemodellen, um die Genauigkeit von Prognosen zu verbessern und Klimaprozesse besser zu verstehen.

Welche Bedeutung hat internationale Zusammenarbeit für Ihre Arbeit?

Internationale Zusammenarbeit ist unverzichtbar. Wetter und Klima machen nicht an nationalen Grenzen halt – deshalb können wir die damit verbundenen Herausforderungen nur gemeinsam bewältigen. Internationale Partnerschaften ermöglichen es uns, Daten, Wissen und Expertise auszutauschen und voneinander zu lernen. Gleichzeitig können wir gemeinsam Lösungen entwickeln, die für unterschiedliche Regionen relevant sind und zu denen jeder Partner seine eigenen Stärken beiträgt.

Sie haben sowohl in Ghana als auch in Deutschland wissenschaftlich gearbeitet. Wie unterscheiden sich die beiden Forschungsumfelder?

Deutschland bietet eine hervorragende Forschungsinfrastruktur und ausgezeichnete Möglichkeiten für interdisziplinäre Zusammenarbeit. Ghana wiederum verfügt über hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und große fachliche Expertise, auch wenn uns häufig weniger Ressourcen zur Verfügung stehen.

Gerade deshalb sind internationale Partnerschaften so wertvoll. Beide Seiten bringen unterschiedliche Stärken ein – und gemeinsam können wir wesentlich mehr erreichen, als es jedem Partner allein möglich wäre.

Könnten Sie uns etwas mehr über Ihre Universität erzählen? Wann wurde sie gegründet?

Die Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) wurde 1952 gegründet, um die naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Ausbildung während Ghanas Übergang in die Unabhängigkeit zu stärken. 1960 wurde sie zu einer vollständig unabhängigen Universität. Wissenschaft, Technologie und Innovation stehen bis heute im Mittelpunkt ihres Profils.

Das klingt dem KIT sehr ähnlich.

Ja, genau das war auch mein erster Eindruck, als ich ans KIT kam. Beide Universitäten legen einen starken Schwerpunkt auf Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Technologie. Ich hatte sofort das Gefühl, dass sich unsere akademischen Kulturen sehr gut ergänzen. Das ist eine hervorragende Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit.

Wie viele Studierende hat die KNUST heute?

Heute hat die KNUST rund 80.000 Studierende und wächst weiter. Die Universität bietet Studiengänge in Natur- und Ingenieurwissenschaften, Landwirtschaft, Architektur und Bauwesen, Gesundheitswissenschaften und Geisteswissenschaften sowie im Bereich der Fernlehre an. Damit gehört sie zu den führenden naturwissenschaftlich-technischen Universitäten Afrikas.

FA(ST)²Africa möchte die Partnerschaften zwischen dem KIT und afrikanischen Universitäten vertiefen. Was würden Sie uns dafür mit auf den Weg geben?

Das Programm sollte weiterhin breit bekannt gemacht werden – sowohl online als auch direkt über die Partneruniversitäten. Ebenso wichtig ist es, ehemalige FA(ST)²Africa Scholars als Botschafterinnen und Botschafter einzubeziehen. Wir kennen unsere Institutionen und Kolleginnen und Kollegen sehr gut und können gezielt Forschende ansprechen, die von einer Teilnahme profitieren würden. Auf diese Weise können nachhaltige Netzwerke weiter wachsen.

Am KIT entwickeln wir derzeit eine Afrikastrategie. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass Afrika aus vielen sehr unterschiedlichen Ländern besteht.

Absolut. Afrika ist außerordentlich vielfältig. Historische, kulturelle und sprachliche Unterschiede haben die Bildungs- und Forschungssysteme auf dem Kontinent auf sehr unterschiedliche Weise geprägt. Ghana beispielsweise orientiert sich traditionell am britischen Bildungssystem, während sich frankophone und lusophone Länder entlang anderer Strukturen entwickelt haben. Diese Unterschiede zu erkennen und zu berücksichtigen, ist entscheidend für den Aufbau erfolgreicher Partnerschaften in Afrika.

In unseren Gesprächen über die Afrikastrategie haben wir häufig über Co-Creation gesprochen. Halten Sie dieses Konzept für wichtig?

Auf jeden Fall. Aus meiner Perspektive als Klimawissenschaftler ist Co-Creation eine der Grundlagen erfolgreicher Zusammenarbeit. Menschen sind wesentlich eher bereit, neue Ideen mitzutragen, wenn sie selbst an ihrer Entwicklung beteiligt sind. Menschen übernehmen Verantwortung für das, was sie selbst mitgestaltet haben.

Wenn Partner gemeinsam etwas entwickeln, verstehen sie es, stehen dahinter und bleiben ihm auch dann verbunden, wenn ein Projekt längst beendet ist. Werden Lösungen dagegen einfach von außen vorgegeben, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass sie langfristig Wirkung entfalten.

Für mich ist Co-Creation deshalb entscheidend für Nachhaltigkeit. Wenn Partner Ideen gemeinsam entwickeln, tragen alle Verantwortung für das Ergebnis und bringen ihre eigene Expertise ein. Das schafft Vertrauen, stärkt das Engagement und macht die Zusammenarbeit wesentlich nachhaltiger, als wenn Ideen lediglich von einer Institution auf eine andere übertragen werden.

Meine letzte Frage ist ein wenig philosophisch: Wenn Sie eine Sache aus Deutschland mit nach Ghana und eine Sache aus Ghana mit nach Deutschland nehmen könnten – welche wären das?

Eine Sache, die ich auf jeden Fall aus Deutschland mit nach Ghana nehmen würde, ist die Kultur der Pünktlichkeit. Die Menschen respektieren die Zeit anderer, Besprechungen beginnen wie vereinbart, und Pünktlichkeit wird ernst genommen. Das habe ich immer sehr geschätzt, denn davon profitieren sowohl Institutionen als auch die Gesellschaft insgesamt.

Außerdem würde ich den starken Praxisbezug der deutschen Ausbildung mitnehmen. Studierende verbinden theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung, während die Ausbildung in Ghana noch stärker theorieorientiert ist. Diesen praktischen Anteil auszubauen, wäre für uns sehr wertvoll.

Und was würden Sie aus Ghana nach Deutschland mitbringen?

Ich würde unseren ausgeprägten Gemeinschaftssinn mitbringen. Ghanaerinnen und Ghanaer sind von Natur aus gastfreundlich und suchen gerne den Austausch miteinander. In Deutschland bleiben die Menschen häufiger für sich. Ich schätze den hohen Stellenwert, den Selbstständigkeit hier hat. Gleichzeitig glaube ich aber, dass Menschen stärker werden, wenn sie zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen und ihre Erfahrungen miteinander teilen.

Das sehe ich auch in meiner eigenen Familie. Meine Kinder sind in Deutschland geboren und haben schon früh gelernt, selbstständig zu sein – und das ist eine wunderbare Eigenschaft. Gleichzeitig ermutige ich sie dazu, Zeit mit Freunden zu verbringen, zusammenzuarbeiten und Probleme gemeinsam zu lösen, anstatt immer zu versuchen, alles allein zu bewältigen.

Selbstständigkeit ist wichtig. Aber ein starker Gemeinschaftssinn ist ebenso wichtig.

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen und uns etwas über Ihren wissenschaftlichen Werdegang erzählen?

Mein Name ist Dr. Ellen Kayendeke. Ich bin Dozentin am Department of Environmental Management der Makerere University in Uganda. Meine akademische Laufbahn begann mit einem Bachelorstudium der Umweltwissenschaften an der Makerere University, an das sich ein weiterführendes Studium anschloss. Während dieser Zeit entwickelte ich ein immer größeres Interesse an natürlichen Ressourcen und Ökosystemleistungen, insbesondere an Feuchtgebieten. In Uganda wurde mir bewusst, dass Feuchtgebiete zahlreiche wichtige Ökosystemleistungen erbringen, ihr ökologischer und wirtschaftlicher Wert jedoch häufig unterschätzt wird. Das motivierte mich, meine Forschung auf das Management von Feuchtgebieten zu konzentrieren und zu untersuchen, wie sich Veränderungen dieser Ökosysteme sowohl auf die Umwelt als auch auf die Lebensgrundlagen der Menschen auswirken.

Später spezialisierte ich mich auf die Hydrologie und verband diese mit den Bereichen Feuchtgebietsmanagement sowie gemeindebasiertes Management natürlicher Ressourcen. In jüngerer Zeit habe ich meine Forschung auf die Modellierung von Systemdynamiken ausgeweitet. Dabei nutze ich partizipative Modellierungsansätze, um zu untersuchen, wie sich Feuchtgebietssysteme im Laufe der Zeit verändern, wie Gemeinschaften mit ihnen interagieren und wie Managementmaßnahmen den Ausgleich zwischen Umweltschutz und den Lebensgrundlagen der Bevölkerung unterstützen können. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen am KIT entwickeln wir derzeit Modelle des maschinellen Lernens (Machine Learning, ML), um die langfristigen Auswirkungen von Umweltveränderungen und Managemententscheidungen auf diese Ökosysteme besser zu verstehen.

Können Sie uns etwas über Ihre Universität erzählen?

Die Makerere University ist eine der ältesten und renommiertesten Universitäten Afrikas. Sie wurde 1922 als technische Hochschule gegründet und entwickelte sich später zur Nationaluniversität Ugandas. Heute bietet sie Studiengänge in einem breiten Fächerspektrum an – von den Geistes- und Sozialwissenschaften über Ingenieurwissenschaften, Landwirtschaft und Medizin bis hin zu den Naturwissenschaften.

Internationale Zusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des Selbstverständnisses der Universität. Die Makerere University arbeitet mit Partnern in Afrika, Europa und Nordamerika in gemeinsamen Forschungsprojekten, Austauschprogrammen und Initiativen zur Doktorandenausbildung zusammen.

Darüber hinaus beherbergt die Universität spezialisierte Forschungszentren in Bereichen wie Infektionskrankheiten, Ernährungssicherheit, Biodiversität und nachhaltige Entwicklung. In meinem Fachbereich befindet sich außerdem die National Biodiversity Data Bank, die eine zentrale Rolle bei der Erhebung, Verwaltung und Bereitstellung von Biodiversitätsdaten für Uganda und darüber hinaus spielt.

Welchen Eindruck haben Sie vom KIT als wissenschaftlicher Einrichtung?

Ich bin vom KIT sehr beeindruckt. Besonders hervorzuheben ist das hervorragende Forschungsumfeld mit einer ausgezeichneten Infrastruktur, bestens ausgestatteten Laboren, modernen Einrichtungen und exzellenten Bibliotheksressourcen.

Das KIT legt zudem großen Wert auf Zusammenarbeit. Forschende werden ermutigt, sich fachübergreifend auszutauschen und internationale Partnerschaften aufzubauen. Fördermöglichkeiten und Mobilitätsprogramme erleichtern diese Kooperationen erheblich.

Besonders schätze ich, dass die Forschung hier eng mit gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpft ist. Wissenschaftliche Exzellenz wird mit dem Anspruch verbunden, Wissen zu schaffen, das über die Wissenschaft hinaus einen konkreten Nutzen entfaltet. Für mich spiegelt das den Gedanken von „Science for Impact“ wider.

Welche Empfehlungen würden Sie uns als FA(ST)²Africa-Stipendiatin für den Aufbau stärkerer Kooperationen mit afrikanischen Universitäten geben?

Das Wichtigste ist, die richtigen Forschungsfragen und die passenden Partner zu finden. Jede Universität verfügt über eigene Stärken. Erfolgreiche Kooperationen sollten deshalb auf sich ergänzenden Kompetenzen aufbauen.

Besonders wertvoll sind gemeinsame Forschungsprojekte, die auch Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einschließen. Studierende und Promovierende können Zeit an den jeweiligen Partneruniversitäten verbringen und von den jeweiligen Stärken profitieren. Die Makerere University hat bereits in hohem Maße von vergleichbaren Austauschprogrammen profitiert.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind zunehmend interdisziplinär und lassen sich weder von einer einzelnen Fachrichtung noch von einer einzelnen Institution allein lösen. Partnerschaften sollten daher so gestaltet sein, dass alle Beteiligten davon profitieren.

Ebenso wichtig ist es, sich auf Forschungsfragen zu konzentrieren, die sowohl für Afrika als auch für Europa relevant sind. Das Wassermanagement ist hierfür ein gutes Beispiel. Klimawandel, sich verändernde Flusssysteme und Infrastruktur beeinflussen Wasserressourcen weltweit – auch wenn sich die konkreten Herausforderungen von Region zu Region unterscheiden.

Starke Partnerschaften beginnen nicht mit Institutionen, sondern mit gemeinsamen wissenschaftlichen Fragestellungen. Wenn Forschende gemeinsame Herausforderungen erkennen und ihre jeweiligen Stärken bündeln, können daraus ganz natürlich langfristige Kooperationen entstehen.

Wir sprechen oft von „Afrika“, als wäre es ein einziges Land. Was sollten wir besser verstehen?

Afrika ist außerordentlich vielfältig. Jedes Land hat seinen eigenen gesellschaftlichen Kontext, seine Institutionen, Sprachen und Prioritäten. Deshalb ist es wichtig, Afrika nicht als eine homogene Region zu betrachten.

Erfolgreiche Kooperationen setzen ein Verständnis für die jeweiligen lokalen Gegebenheiten voraus sowie Partner, die die spezifischen Herausforderungen und Chancen ihres Landes kennen.

Was sollten Forschende aus Deutschland wissen, bevor sie mit Partnern in Uganda zusammenarbeiten?

Verwaltungsprozesse können mitunter mehr Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb ist Geduld wichtig.

Gleichzeitig spielen persönliche Beziehungen eine entscheidende Rolle. Vertrauen aufzubauen und enge Kontakte zu pflegen, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Uganda eigentlich gar nicht so sehr von Deutschland. Selbst wenn Institutionen ein Projekt unterstützen, sind es häufig das Engagement und der Einsatz einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine Partnerschaft langfristig lebendig halten.

Wie haben Sie Ihren Aufenthalt in Karlsruhe erlebt?

Ich habe meine Zeit in Karlsruhe sehr genossen. Der Aufenthalt bot mir die Möglichkeit, mich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, die im Bereich Hydrologie unter ganz anderen Rahmenbedingungen forschen. Unterschiedliche wissenschaftliche Herangehensweisen kennenzulernen, war für mich äußerst bereichernd.

Auch das Alltagsleben hier habe ich sehr geschätzt. Das Wetter war tatsächlich sehr angenehm, obwohl es wärmer war, als ich erwartet hatte. Ein weiteres Highlight war das vielfältige kulinarische Angebot. Karlsruhe bietet eine große Auswahl internationaler Küche – von chinesischen und türkischen Restaurants bis hin zu vielen weiteren gastronomischen Angeboten.

Gab es etwas, das Ihnen an den Menschen in Karlsruhe besonders gefallen hat?

Am meisten beeindruckt hat mich, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen waren. Ich erinnere mich an eine Situation in einem Supermarkt, in der ich mich entschuldigte, weil ich nur wenig Deutsch spreche. Die Verkäuferin wechselte sofort ins Englische und half mir geduldig weiter, bis alles geklärt war. Das habe ich sehr geschätzt. Solche Erlebnisse haben mir das Gefühl gegeben, während meines Aufenthalts wirklich willkommen zu sein.

Wenn Sie eine Sache aus Deutschland nach Uganda – und eine Sache aus Uganda nach Deutschland – mitnehmen könnten, was wäre das?

Aus Deutschland würde ich wahrscheinlich die ausgeprägte Kultur der Mülltrennung und des Recyclings mitnehmen. Ich denke, man kann viel von der Art lernen, wie Recycling hier organisiert ist.

Aus Uganda würde ich vielleicht die Musik nach Deutschland bringen. Musik verbindet Menschen, und ich finde, sie ist eine wunderbare Möglichkeit, Menschen und Kulturen miteinander in Kontakt zu bringen.

Interview with Dr. Ellen Kayendeke, Scholarship holder of the FA(ST)2Africa program

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Von Johannesburg nach Karlsruhe: FA(ST)²Africa bringt KIT und Wits zusammen – ein Gespräch mit Dr. Samia Chasi

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Im Rahmen der FA(ST)²Africa Scholarships war Dr. Samia Chasi, Leiterin des Internationalisation and Strategic Partnerships Office der University of the Witwatersrand (Wits University) in Johannesburg, zu Gast am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Während ihres Aufenthalts arbeitete sie gemeinsam mit dem Team des KIT daran, den wissenschaftlichen Austausch zwischen beiden Universitäten weiterzuentwickeln. Ziel des Besuchs war es, bestehende Kontakte zu vertiefen, neue Kooperationsmöglichkeiten zu identifizieren und den Austausch von Forschenden und Studierenden auszubauen.

Chasi blickt auf einen langen internationalen akademischen Werdegang zurück. Nach einem Studium in Deutschland setzte sie ihre Ausbildung in Südafrika fort, absolvierte einen Masterstudiengang in Engineering Management und promovierte anschließend zu Nord-Süd-Partnerschaften in der Hochschulbildung. Heute verantwortet sie an der Wits University den Aufbau und die Weiterentwicklung internationaler und strategischer Partnerschaften.

Internationale Hochschulkooperationen müssten sich weiterentwickeln, davon ist Chasi überzeugt. Zu lange sei Zusammenarbeit häufig vor allem als Wissenstransfer von Europa nach Afrika verstanden worden. Heute gehe es darum, die wissenschaftlichen Stärken beider Partner zusammenzubringen. „Kooperation auf Augenhöhe bedeutet, dass beide Seiten etwas in eine Partnerschaft einbringen – und beide Seiten gleichermaßen davon profitieren.“

Gerade zwischen dem KIT und der Wits University sieht sie dafür beste Voraussetzungen. Die Wits University gehöre zu den forschungsstärksten Hochschulen Afrikas und verfüge in vielen Bereichen über international anerkannte Expertise. Forschung zu Wasser, Energie, Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimawandel zähle ebenso zu ihren Schwerpunkten wie am KIT. Beide Universitäten arbeiteten an denselben globalen Herausforderungen – allerdings unter sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen, klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Genau darin liege der besondere Wert der Zusammenarbeit. „Wir haben unsere Expertise, wir betreiben unsere Forschung in unserem jeweiligen Kontext und können allein aus dieser Perspektive voneinander lernen.“

Partnerschaft bedeutet für Chasi deshalb nicht, Unterschiede auszugleichen, sondern sie produktiv zu nutzen. Wissenschaftliche Qualität hänge nicht davon ab, woher Fördergelder stammen oder in welchem Teil der Welt Forschung betrieben werde. Entscheidend sei vielmehr, die jeweiligen Stärken zusammenzuführen und voneinander zu profitieren. Dabei warnt sie zugleich davor, Afrika als einheitlichen Wissenschaftsraum zu betrachten. Die Forschungslandschaften auf dem Kontinent seien ebenso vielfältig wie die Hochschulsysteme selbst. Erfolgreiche Kooperationen müssten deshalb immer die jeweiligen lokalen Gegebenheiten und Kompetenzen berücksichtigen.

Echte Partnerschaft beginnt für Chasi lange vor der Bewilligung eines Projekts. Forschungsfragen, Projektideen und Förderanträge sollten gemeinsam entwickelt werden. Begriffe wie „Co-Creation“, „Co-Design“ oder „Co-Research“ seien deshalb weit mehr als Schlagworte – sie beschrieben eine Haltung, die internationale Kooperationen dauerhaft tragfähig mache.

Während ihres Aufenthalts am KIT gewann Chasi innerhalb weniger Tage einen umfassenden Einblick in Forschung, Serviceeinrichtungen und internationale Förderangebote. Besonders wertvoll seien die Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Institute gewesen. Dabei hätten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für zukünftige Kooperationen ergeben – insbesondere in den Bereichen Wasser, Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Auch persönlich nahm sie Deutschland mit neuen Eindrücken wahr. Das Land sei heute deutlich internationaler als zu der Zeit, als sie hier lebte – vor über 20 Jahren. Wer heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, höre vielerorts ganz selbstverständlich viele verschiedene Sprachen. Deshalb sei für sie weniger entscheidend, was den „deutschen Kern“ ausmache, sondern vielmehr, wie Menschen miteinander umgingen. „Offenheit, Respekt und ehrliches Interesse“ seien die entscheidenden Voraussetzungen für erfolgreiche Zusammenarbeit.

Für Chasi bietet auch die lange Verbindung zwischen Deutschland und Südafrika eine hervorragende Grundlage für den weiteren Ausbau wissenschaftlicher Kooperationen. Deutschland sei Südafrikanerinnen und Südafrikanern keineswegs fremd. Deutsche Schulen, der DAAD, das Goethe-Institut, die Deutsche Industrie- und Handelskammer sowie zahlreiche deutsche Unternehmen seien seit Jahrzehnten im Land präsent. Dadurch bestehe weit über die Hochschulen hinaus ein enges Netzwerk, das auch neue wissenschaftliche Partnerschaften erleichtern könne. Programme wie die FA(ST)²Africa Scholarships leisteten hierzu einen wichtigen Beitrag, weil sie persönliche Begegnungen ermöglichten.

Die Wits University zählt mit rund 42.000 Studierenden zu den führenden Forschungsuniversitäten Afrikas. Hervorgegangen aus einer Bergbauhochschule, genießt sie bis heute international einen hervorragenden Ruf in den Ingenieurwissenschaften. Darüber hinaus verfügt sie über starke Forschungsprofile in den Gesundheits-, Wirtschafts-, Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Weltweit bekannt ist die Universität außerdem für ihre archäologische und paläontologische Forschung. In unmittelbarer Nähe Johannesburgs liegt das UNESCO-Welterbe Cradle of Humankind, eine der bedeutendsten Fundstätten zur Erforschung der Menschheitsgeschichte. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Wits University und ihre internationalen Partner leisten dort wichtige Beiträge zur Erforschung der menschlichen Evolution – und erinnern uns daran, dass wir alle einen gemeinsamen Ursprung haben.

„Projekte sollten gemeinsam gestaltet werden – nicht nur von oben nach unten.“

Ein Interview mit Dr. Appolinaire Derbetini Vondou über Klimaforschung, internationale Zusammenarbeit und wissenschaftliche Kooperationen zwischen Deutschland und Afrika.

Könnten Sie sich kurz vorstellen – Ihren akademischen Hintergrund und Ihre Herkunft?

Ich bin Dr. Appolinaire Derbetini Vondou aus Kamerun und arbeite im Bereich Atmosphärenphysik und Klimaforschung. Seit rund 20 Jahren bin ich in der Wissenschaft tätig. Zuvor habe ich Physik in Kamerun studiert.

Ich wurde als Assistant Lecturer an die Universität Yaoundé I berufen, wo ich seit 2012 lehre. Heute kann ich als Professor das Wissen, das ich erworben habe, an meine Studierenden und Kolleginnen und Kollegen weitergeben und neue wissenschaftliche Konzepte entwickeln.

Außerdem war ich zwischen 2023 und 2025 Alexander-von-Humboldt-(AVH)-Senior Research Visitor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In dieser Zeit habe ich insbesondere im Bereich Datenanalyse und wissenschaftlicher Projektarbeit sehr viel gelernt.

Nun kehre ich als AVH-Alumnus für einen einmonatigen Forschungsaufenthalt ans KIT zurück. Diese Kooperationen weiterzuführen, ist für mich sowohl wissenschaftlich als auch persönlich sehr wichtig.

Wie hat sich Ihr Interesse an Atmosphärenphysik und Klimaforschung entwickelt?

Während meines Studiums bot die Physik viele mögliche Spezialisierungen. Ich begann mich für Klimaforschung zu interessieren, weil ich erkannte, dass Umwelt- und Klimafragen in afrikanischen Ländern zunehmend wichtiger werden.

Im Vergleich zu anderen Regionen Afrikas gab es nur wenige Studien zum Klima und zur Meteorologie Zentralafrikas. Unser Team in Yaoundé hat dazu beigetragen, das Klima Zentralafrikas wissenschaftlich zu dokumentieren und international sichtbarer zu machen.

Ich habe mich für dieses Forschungsfeld entschieden, weil ich zum Wissen über das Klima Zentralafrikas beitragen und gleichzeitig die Lebensbedingungen in Kamerun verbessern wollte.

Wie verlief Ihr akademischer Weg von Kamerun hin zur internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit?

Zunächst war meine Arbeit hauptsächlich auf Kamerun konzentriert, und es gab nur wenig internationale Zusammenarbeit. Später nahm ich an internationalen Summer Schools und Konferenzen teil, wo ich Forschende aus verschiedenen Ländern kennenlernte.

Während dieser Treffen diskutierte ich wissenschaftliche Veröffentlichungen mit anderen Forschenden und stellte Fragen zu Konzepten, die ich besser verstehen wollte. Diese Begegnungen öffneten nach und nach die Tür zu internationalen Kooperationen.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen für Forschende in Kamerun?

Die größte Herausforderung ist die Finanzierung. Forschende verfügen häufig nicht über ausreichende finanzielle Mittel. Manchmal stellt die Regierung begrenzte Unterstützung für Projekte bereit, doch in vielen Fällen reichen die Ressourcen schlicht nicht aus. Dieser Mangel an Finanzierung erschwert Forschung und verlangsamt die wissenschaftliche Entwicklung.

Hinzu kommt, dass sich der Privatsektor bislang nur sehr begrenzt an der Forschungsförderung beteiligt.

Wie wichtig ist es für Sie, Forschung mit direktem Bezug zu Ihrer Heimatregion zu betreiben?

Für mich ist das äußerst wichtig. Eines der Ziele von Projekten wie „Future Africa“ sollte darin bestehen, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern.

In vielen afrikanischen Ländern werden Klimafragen in öffentlichen Debatten noch nicht ausreichend berücksichtigt. In Europa ist das Bewusstsein für Umweltschutz und klimabezogene Themen oft deutlich stärker ausgeprägt. In Teilen Afrikas konzentrieren sich viele Menschen vor allem auf das tägliche Überleben und unmittelbare wirtschaftliche Herausforderungen, weshalb das Bewusstsein für Klimafragen teilweise geringer ist.

Forschung kann helfen, Aufmerksamkeit für den Klimawandel und seine Folgen zu schaffen. Langfristig kann dieses Wissen dazu beitragen, die Lebensbedingungen zu verbessern.

Wie begann Ihre Zusammenarbeit mit Andreas Fink und dem KIT?

Ich traf Andreas Fink erstmals 2008 während einer Summer School in Ghana. Damals arbeiteten wir noch nicht direkt zusammen, blieben aber in Kontakt. Später begannen wir durch Forschungsaufenthalte und wissenschaftliche Kooperationen enger zusammenzuarbeiten.

Was bedeutet das Projekt für Sie persönlich und beruflich?

Für mich ist dieses Projekt sehr wichtig. Als Wissenschaftler aus Zentralafrika habe ich festgestellt, dass sich viele internationale Kooperationen vor allem auf West-, Ost- oder Südafrika konzentrieren, während Zentralafrika oft weniger vertreten ist.

Eine meiner Motivationen besteht deshalb darin, dafür zu sorgen, dass Zentralafrika stärker in internationale Klimaforschungsprojekte eingebunden wird. Ich denke, Institutionen wie das Karlsruher Institut für Technologie berücksichtigen dies zunehmend.

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen deutschen und afrikanischen Institutionen verbessert werden?

Meiner Ansicht nach sollten Projekte wie diese nicht nur von oben nach unten entwickelt werden, sondern auch von unten nach oben. Die Ideen sollten nicht ausschließlich aus Deutschland kommen – auch afrikanische Forschende und Institutionen vor Ort sollten die Projekte mitgestalten.

Lokale Forschende kennen die tatsächlichen Bedingungen, praktischen Schwierigkeiten und lokalen Zusammenhänge wesentlich besser. Ihre Erfahrungen sind entscheidend für den Erfolg solcher Projekte.

Deutschland hat sehr strenge Verwaltungsverfahren, insbesondere im Finanzbereich. In Afrika können die praktischen Rahmenbedingungen jedoch anders sein. Manchmal dauern Geldtransfers sehr lange, weil die Mittel zunächst institutionelle Strukturen durchlaufen müssen, bevor sie die Forschenden erreichen.

Zum Beispiel verlangen deutsche Regelungen oft, dass Projektmittel zunächst auf ein Universitätskonto überwiesen werden und nicht direkt an einzelne Forschende gehen. Solche Verfahren können Feldforschung und Forschungsaktivitäten jedoch verzögern.

Deshalb ist der Dialog mit lokalen Partnern so wichtig. Forschende in den jeweiligen Ländern können erklären, welche Verfahren unter den lokalen Bedingungen praktikabel und sinnvoll sind.

An deutschen Universitäten wird beispielsweise Computertechnik regelmäßig ersetzt. Ältere Geräte werden häufig entsorgt, obwohl sie in Ländern wie meinem noch genutzt werden könnten. In vielen Fällen würde es genügen, lediglich die Festplatte zu entfernen, um sensible Daten zu schützen. Die Weiterverwendung solcher Geräte könnte zudem einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz leisten.

Welchen Rat würden Sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Kamerun und anderen afrikanischen Ländern geben?

Ich würde ihnen raten, ehrgeizig zu bleiben und ihre Fähigkeiten kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Leben ist manchmal schwierig, aber man sollte immer versuchen, sein Bestes zu geben.

Ich sage meinen Studierenden in Kamerun immer: Arbeitet hart, lernt weiter und glaubt an das, was ihr tut. So wird man irgendwann Teil internationaler wissenschaftlicher Diskussionen und Konferenzen.

Am wichtigsten ist jedoch, dass Menschen eine Arbeit machen, die ihnen wirklich am Herzen liegt.

Kamerun ist ein mehrsprachiges Land. Welche Sprachen haben Sie in Ihrer Kindheit gesprochen?

Kamerun hat sowohl Englisch als auch Französisch als Amtssprachen, daneben gibt es viele lokale Sprachen. Ich bin in meiner Familie mit meiner lokalen Sprache aufgewachsen, während in der Schule und im öffentlichen Leben Englisch und Französisch verwendet wurden.

An weiterführenden Schulen wird außerdem Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.

Wenn Sie Kamerun und Deutschland vergleichen: Wie würden Sie die Unterschiede beschreiben?

Deutschland ist natürlich deutlich weiter entwickelt – sowohl hinsichtlich der Infrastruktur als auch der wissenschaftlichen Ressourcen. Kamerun ist sozial und wirtschaftlich sehr unterschiedlich aufgestellt. Dennoch verfügt Kamerun über großes Potenzial, und viele junge Forschende sind hoch motiviert.

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„Wissenschaftliche Zusammenarbeit lebt von persönlichen Verbindungen“

Ein Interview mit Prof. Dr. Moritz Wolf vom Institut für Katalyseforschung und -technologie (IKFT) über Katalyseforschung, internationale Zusammenarbeit und akademische Partnerschaften zwischen dem KIT und afrikanischen Universitäten.

Bitte skizzieren Sie kurz Ihren wissenschaftlichen Werdegang.

Ich habe Chemieingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert. Anschließend promovierte ich 2018 an der University of Cape Town in Südafrika am Catalysis Institute sowie am DSI-NRF Centre of Excellence in Catalysis (c*change).

Nach Postdoc-Stationen in Kapstadt und an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurde ich Gruppenleiter am Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien. Seit 2022 bin ich Tenure-Track-Professor für „Catalyst Materials for the Energy Transition“ am KIT. Dort leite ich die Gruppe „Material Synthesis and Scale-up“ am Institut für Katalyseforschung und -technologie.

Was ist Ihr wichtigstes Forschungsgebiet?

Meine Forschung konzentriert sich auf heterogene Katalyse für nachhaltige Energietechnologien. Wir arbeiten unter anderem an chemischer Wasserstoffspeicherung sowie an der Herstellung von Kraftstoffen und Chemikalien aus CO2.

Unsere Arbeitsgruppe untersucht die Synthese, Charakterisierung und Langzeitstabilität von Katalysatoren unter industriellen Bedingungen. Darüber hinaus entwickeln wir alternative Reaktorkonzepte und beschäftigen uns mit der Skalierung von Katalysatoren vom Labormaßstab bis hin zur industriellen Anwendung.

Welche Bedeutung hat FA(ST)2Africa für die Zusammenarbeit zwischen dem KIT und afrikanischen Hochschulen?

FA(ST)2Africa vernetzt KIT-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler, die mit afrikanischen Institutionen kooperieren, und schafft eine strategische Plattform für zukünftige Partnerschaften. Die Initiative hilft dabei, bestehende Aktivitäten zu bündeln und vielversprechende langfristige Kooperationen zu identifizieren.

Darüber hinaus fördert sie die Vernetzung mit afrikanischen Partnern und unterstützt neue Kooperationen zwischen Institutionen in Afrika und Europa. Auf diese Weise kann FA(ST)2Africa weitere Forschende motivieren, internationale Zusammenarbeit auszubauen.

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der stärkeren wissenschaftlichen Vernetzung zwischen Afrika und Europa?

Viele gemeinsame Projekte sind stark von Fördermitteln deutscher Ministerien oder der Europäischen Union abhängig. Dadurch entstehen strukturelle Abhängigkeiten, die afrikanische Partner mitunter darin einschränken, eigene Forschungsschwerpunkte zu setzen.

Auch administrative Verfahren erschweren die Zusammenarbeit teilweise – insbesondere dann, wenn direkte finanzielle Unterstützung afrikanischer Institutionen nur eingeschränkt möglich ist. Hinzu kommt, dass begrenzte Forschungsmittel in vielen afrikanischen Ländern ressourcenintensive wissenschaftliche Arbeit erschweren.

Welche Rolle spielen persönliche Begegnungen und langfristige Netzwerke in internationalen Kooperationen?

Wissenschaft selbst ist inspirierend, aber persönliche Beziehungen bereichern eine akademische Laufbahn in besonderer Weise. Langfristige Kooperationen schaffen Freundschaften und Vertrauen, die weit über einzelne Projekte hinausgehen.

Besonders schätze ich die Offenheit und Gastfreundschaft afrikanischer Kolleginnen und Kollegen. Langjährige Netzwerke ermöglichen außerdem, die berufliche Entwicklung junger Forschender über viele Jahre hinweg mitzuerleben. Zu sehen, wie ehemalige Studierende promovieren und ihre eigenen Karrieren aufbauen, ist äußerst bereichernd.

Wie begann Ihre Zusammenarbeit mit der University of Cape Town?

Ich schickte zunächst eine Initiativbewerbung für eine Promotionsstelle an meinen späteren Betreuer an der University of Cape Town, der bereits Verbindungen zum KIT hatte. Glücklicherweise wurde ich angenommen und Teil des nationalen Katalyse-Netzwerks c*change.

Viele meiner damaligen Doktorandenkolleginnen und -kollegen gehören noch heute zu meinem beruflichen Netzwerk und sind inzwischen wichtige Partner für neue Kooperationen und Studierendenaustauschprogramme.

Wie hat sich die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren entwickelt?

Die Zusammenarbeit mit der University of Cape Town hat sich über die Jahre deutlich intensiviert. Seit 2022 entwickelt das CARE-O-SENE-Konsortium Katalysatoren der nächsten Generation für nachhaltige Flugkraftstoffe.

Das Projekt konzentriert sich auf die Umwandlung von grünem Wasserstoff und abgeschiedenem CO2 in synthetisches, klimaneutrales Kerosin. Beteiligt sind wissenschaftliche und industrielle Partner, darunter das südafrikanische Unternehmen Sasol sowie das KIT-Spin-off INERATEC.

Darüber hinaus arbeiten wir weiterhin eng mit Forschenden und Studierenden der University of Cape Town zusammen und haben unsere Kooperationen inzwischen auch auf weitere Universitäten in Südafrika ausgeweitet.

Wie alt sind Sie und woher kommen Sie?
Mein Name ist Phillip Ochieng. Ich bin 34 Jahre alt und komme aus Kenia in Ostafrika.

Was ist der Inhalt Ihrer Forschungstätigkeit?

Meine Forschung konzentriert sich auf die Verbesserung saisonaler Vorhersagen im Großraum Horn von Afrika. Insbesondere arbeite ich an saisonalen und subseasonalen Prognosen. Subseasonale Vorhersagen sind besonders wichtig, da sie die Lücke zwischen langfristigen saisonalen Ausblicken und kurzfristigen Wettervorhersagen schließen. Meine Arbeit zielt darauf ab, die Genauigkeit und den Nutzen dieser Vorhersagen für die Region zu verbessern.

Wie wirkt sich Ihre Forschung auf das tägliche Leben der Menschen aus?

Verbesserte Vorhersagen können sich direkt auf das tägliche Leben der Menschen auswirken. Viele Regionen in Afrika erleben regelmäßig Klimaextreme wie Dürren und Überschwemmungen. Verlässlichere Prognosen können Landwirten, Gemeinden und politischen Entscheidungsträgern helfen, sich frühzeitig vorzubereiten und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Durch meine Arbeit am KIT hoffe ich, neues Wissen und Werkzeuge zu gewinnen, die dazu beitragen, die Klimaresilienz in Afrika zu stärken und nachhaltige Lebensgrundlagen zu unterstützen.

Könnten Sie Ihren akademischen Werdegang beschreiben?
Ich habe meinen Bachelorabschluss in Meteorologie an der Universität Nairobi in Kenia gemacht. Anschließend absolvierte ich einen Master in Meteorologie an der Nanjing University of Information Science and Technology in China. Danach kehrte ich an die Universität Nairobi zurück, wo ich meine Promotion in Klimatologie mit Schwerpunkt auf Frühwarnsystemen für Dürren und Resilienzaufbau abschloss. Nach meinem Bachelorabschluss begann ich beim Kenya Meteorological Department zu arbeiten, wo ich als Meteorologe tätig bin. Derzeit führe ich außerdem meine Postdoktorandenforschung am KIT durch.

Wie sind Sie zum KIT gekommen?
Ich kam über einen International Excellence Award zum KIT, der an Professor Chris Funk von der University of California, Santa Barbara, vergeben wurde. Ein Bestandteil dieser Auszeichnung war die Förderung eines Postdoktoranden, dessen Arbeit zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Afrika beiträgt, insbesondere im Bereich Klimaresilienz. Das Projekt ist am KIT angesiedelt, wo ich eng mit Professor Andreas Fink sowie mit Chris Funk zusammenarbeite. Gemeinsam arbeiten wir an einem Projekt zur Stärkung der Forschungskooperation zwischen deutschen Institutionen und afrikanischen Universitäten im Bereich der Klimawissenschaft.

Hatten Sie Gelegenheit, Karlsruhe oder die Umgebung zu erkunden?
Schon vor meiner Ankunft in Karlsruhe hatte ich einige Freunde in Deutschland. Einige von ihnen haben hier studiert und leben weiterhin im Land, und einer von ihnen hat in Karlsruhe studiert. Ich bin auch ein wenig gereist – zum Beispiel nach Hamburg, wo ich Familie habe, und nach Augsburg, um Freunde zu besuchen. Ich entdecke weiterhin neue Orte.

Haben Sie einen Lieblingsort oder ein Lieblingsrestaurant in Karlsruhe?
Ja, es gibt ein türkisches Restaurant, in das ich besonders gern zum Mittagessen gehe. Einige der Gerichte erinnern mich an Speisen aus Afrika, wie zum Beispiel Pilau, sodass mir das Essen ein Stück weit vertraut ist. Die Atmosphäre dort gefällt mir sehr.

Haben Sie neben dem Wetter einen Kulturschock erlebt, als Sie in Karlsruhe ankamen?
Anfangs war die Sprache eine kleine Herausforderung. Meine Arbeit hier erfordert nicht unbedingt, dass ich Deutsch spreche, aber die Umstellung auf eine neue Sprachumgebung braucht immer etwas Zeit. Da ich jedoch zuvor in China studiert und dort ähnliche Sprachbarrieren erlebt hatte, konnte ich mich relativ schnell anpassen. Die Menschen in Karlsruhe sind sehr freundlich, und viele sprechen Englisch. Insgesamt waren meine Erfahrungen hier sehr positiv.

Das KIT möchte die Forschungskooperation mit afrikanischen Ländern ausbauen. Haben Sie Vorschläge, wie diese Zusammenarbeit gestärkt werden könnte?
Ich denke, dass Initiativen wie FA(ST)2Africa ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sind. Die Stärkung von Partnerschaften zwischen Forschungseinrichtungen in Afrika und Universitäten wie dem KIT ist entscheidend. Viele Regionen Afrikas sind bereits stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, weshalb die Zusammenarbeit in der Klimaforschung besonders wichtig ist. Das KIT verfügt über starke Kompetenzen in der Klimaanalyse und -vorhersage, und die Zusammenarbeit mit afrikanischen Klimaforschungszentren und Universitäten könnte unsere Fähigkeit, extreme Ereignisse vorherzusagen, erheblich verbessern. Eine solche Kooperation könnte auch Regierungen in Afrika dabei unterstützen, bessere Strategien und politische Maßnahmen zur Anpassung an Klimarisiken zu entwickeln.

Wie könnte eine solche Zusammenarbeit konkret aussehen?
Ein wirksamer Ansatz wäre der Ausbau von Austauschprogrammen. Forschende und Studierende aus afrikanischen Universitäten könnten Zeit am KIT verbringen, um neue wissenschaftliche Methoden und Technologien kennenzulernen, die für die Klimaforschung relevant sind. Anschließend könnten sie an ihre Heimatinstitutionen zurückkehren und diese Kenntnisse vor Ort anwenden. Ein solcher Wissensaustausch stellt sicher, dass wissenschaftliche Expertise dort genutzt wird, wo sie am dringendsten gebraucht wird.

Gibt es etwas aus der afrikanischen Kultur, das Sie nach Europa oder Deutschland bringen möchten?
Afrika ist unglaublich vielfältig, mit vielen Kulturen, Sprachen und Traditionen. Ein Wert, den ich für besonders wichtig halte, ist Respekt – Respekt gegenüber anderen Menschen, ihren Überzeugungen, Religionen und politischen Ansichten. In vielen afrikanischen Gesellschaften spielt diese Kultur des gegenseitigen Respekts eine zentrale Rolle im Alltag. Ich glaube, dass dies ein wichtiges Prinzip ist, das Menschen dabei helfen kann, in vielfältigen und multikulturellen Gesellschaften friedlich zusammenzuleben.

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Dr. Justine Nyarige, promovierter Physiker mit dem Schwerpunkt Nano- und Mikrotechnologie, lebt seit 2023 mit seiner Familie in Karlsruhe. Seit 2025 bringt er seine Expertise als Programmkoordinator in das Projekt ein. 

Welche Bedeutung hat das FA(ST)2Africa-Projekt deiner Meinung nach? 

Das FAST(2)Africa-Projekt ist eine zentrale Initiative zur Bewältigung der Herausforderungen Afrikas in Bereichen wie Energie, Wasser und Klimawandel durch die moderne Wissenschaft und Technologie. Ziel ist es, gemeinsam mit afrikanischen Universitäten nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Kontinents zugeschnitten sind. Durch die Förderung der Zusammenarbeit zwischen afrikanischen und europäischen Forschenden wird der Wissensaustausch und der Aufbau von Kapazitäten gestärkt. Meiner Meinung nach geht die Wirkung des Projekts über den rein wissenschaftlichen Fortschritt hinaus – es leistet auch einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Verbesserung der Lebensqualität von Gemeinschaften, die mit diesen Herausforderungen konfrontiert sind. 

An welchen Universitäten hast du bisher studiert? 

Ich habe meinen Bachelor of Science in Physik und Mathematik an der University of Nairobi in Kenia abgeschlossen, gefolgt von einem Master of Science in Physik an derselben Universität. Anschließend habe ich in Physik an der University of Pretoria in Südafrika promoviert. 

Worum geht es in deiner Forschung? 

Ich habe mich auf Halbleiterphysik und Materialwissenschaften (Nano- und Mikrotechnologie) spezialisiert, insbesondere für Anwendungen in der photoelektrochemischen Wasserspaltung und der Photodegradation. Kurz gesagt, stelle ich in meiner Forschung verschiedene anorganische Materialien wie Metalloxide (z. B. Fe₂O₃ und TiO₂) auf unterschiedlichen Substraten – etwa indiumdotiertes Zinnoxid (ITO) auf Glas – her bzw. synthetisiere sie. Diese Materialien setze ich dann unter simuliertem Sonnenlicht im Labor ein, das einer Sonneneinstrahlung von 1 Sonnenäquivalent entspricht, um Wasser zu spalten. Dabei entsteht Wasserstoff (H₂), der als Brennstoff genutzt werden kann, sowie Sauerstoff (O₂), der ebenfalls vielfältige Anwendungen hat. Gleichzeitig nutze ich dieselben Materialien und Methoden auch zur Photodegradation von wasserbasierten Schadstoffen wie organischen Farbstoffen. 

Was hat dich ans KIT gebracht? 

Ich habe das KIT erstmals von September bis Dezember 2022 im Rahmen eines Forschungsaufenthalts im Labor von Prof. Bryce S. Richards besucht – auf seine Einladung hin. Der Aufenthalt war Teil eines Kooperationsprojekts mit dem Titel Performance Enhancement of Solar-Driven Photocatalytic Materials for Water Treatment (SolPhoWat) zwischen der University of Pretoria (Südafrika) und der University of Dar es Salaam (Tansania), das im Rahmen eines Workshops in Südafrika ins Leben gerufen wurde. Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Während meines Aufenthalts war ich sehr beeindruckt von der modernen Ausstattung und den hervorragenden Forschungseinrichtungen – das war einer der Gründe, warum ich mich entschieden habe, ans KIT zurückzukehren. Später erhielt ich ein Alexander von Humboldt-Stipendium (Georg-Forster-Fellowship), um meine Forschung seit 2023 am KIT fortzusetzen. 

Warum hast du dich für dein Studienfach entschieden? 

Meine Leidenschaft für Physik entwickelte sich während meines Bachelorstudiums – insbesondere durch das Verständnis, wie sich wissenschaftliche Prinzipien auf reale Herausforderungen anwenden lassen. Im Laufe meines Studiums wuchs mein Interesse an der Halbleiterphysik und den Materialwissenschaften, insbesondere mit Blick auf Energie- und Umweltanwendungen. Angesichts globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel und der Energieversorgungssicherheit fühlte ich mich zu einer Forschung hingezogen, die sich mit erneuerbaren Energien und sauberem Wasser beschäftigt – Herausforderungen, die insbesondere in Entwicklungsländern wie vielen afrikanischen Staaten besonders präsent sind. Schließlich habe ich mich auf Photokatalyse und Nanotechnologie zur nachhaltigen Energie- und Wasseraufbereitung spezialisiert. 

Wie gefällt dir Deutschland? 

Deutschland ist für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. Die Forschungsumgebung ist äußerst inspirierend, und der Fokus auf Innovation, neue Ideen und Zusammenarbeit beeindruckt mich sehr. Ich schätze auch die Effizienz und die gute Organisation sowohl im akademischen als auch im alltäglichen Leben. Natürlich gab es kulturelle Unterschiede, an die ich mich erst gewöhnen musste, aber insgesamt empfinde ich den Aufenthalt hier als sehr lohnend – vor allem durch die Möglichkeit, mit führenden Forschenden meines Fachgebiets zusammenzuarbeiten. 

Was machst du in deiner Freizeit? 

In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit meiner Familie, erkunde neue Orte und lerne verschiedene Kulturen kennen. Außerdem lese ich wissenschaftliche Fachliteratur, um über aktuelle Entwicklungen in meinem Forschungsfeld informiert zu bleiben. Ich genieße auch Aktivitäten im Freien, die mir helfen, mich zu entspannen und körperlich aktiv zu bleiben. 

Wie ist das Leben für deine Familie in Karlsruhe? 

Seit meiner Ankunft im Jahr 2023 habe ich viel Unterstützung vom KIT erhalten. Anfangs hatte ich die Möglichkeit, im International Guest House zu wohnen, was mir Zeit verschaffte, eine dauerhafte Unterkunft zu finden. Nach ein paar Monaten habe ich dann eine Wohnung gefunden. Das KIT hat mich sehr unterstützt, damit sich meine Familie wohlfühlt und gut ankommt. Ich konnte sogar einen Kindergartenplatz für meine Tochter bekommen – was gar nicht so einfach ist. Meine Familie fühlt sich in Karlsruhe sehr wohl. Meine Tochter ist in den letzten zwei Jahren deutlich gewachsen und liebt es inzwischen, in den Kindergarten zu gehen und dort mit ihren Freundinnen und Freunden zu spielen. 

Was hast du für Pläne für die Zukunft? 

Mein langfristiges Ziel ist es, zur Entwicklung nachhaltiger Energielösungen und Technologien zur Wasseraufbereitung beizutragen. Ich möchte weiterhin neue Materialien und Verfahren erforschen, die die Effizienz von Systemen für erneuerbare Energien verbessern können. Außerdem strebe ich eine enge Zusammenarbeit mit Institutionen und der Industrie an, um Forschungsergebnisse in konkrete Anwendungen zu überführen, die der Gesellschaft zugutekommen. 

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Dr. Jörg Helmschrot ist Koordinator im Projekt FA(ST)2Africa und seit vielen Jahren in internationalen Forschungskooperationen zu Wasser- und Klimathemen aktiv – mit besonderem Fokus auf Afrika. Im Interview spricht er über seinen wissenschaftlichen Werdegang, seine Motivation für die Arbeit auf dem afrikanischen Kontinent und die Chancen und Herausforderungen internationaler Zusammenarbeit. Seit 2022 arbeitet er als entsandter Mitarbeiter des KIT in Windhoek, Namibia.

Wie hat sich dein wissenschaftlicher Weg entwickelt?

Ich habe Geographie, Geologie sowie Stadt- und Regionalplanung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena studiert und 1999 mein Diplom abgeschlossen. Schon damals hat mich interessiert, wie Mensch und Umwelt zusammenwirken und wie sich natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen lassen. Diese Fragen habe ich in meiner Promotion in Geographie und Geoinformatik weiterverfolgt, die ich 2006 abgeschlossen habe. Prägend war zudem die Zeit als Postdoc an der University of Washington 2010/2011 in der ich auch andere wissenschaftliche Kulturen kennengelernt habe. Seit 2016 bin ich als Professor extraordinary an der Stellenbosch Universität im Bereich Forschung und Lehre aktiv. Während der vergangenen 25 Jahre hat sich mein Engagement stark auf Afrika fokussiert. Zahlreiche Aktivitäten zu Wasser- und Klimathemen habe ich vor allem im südlichen Afrika durchgeführt, die ich seit meiner Anstellung am KIT in 2022 fortführe. aktuell koordiniere ich unter anderem WASANet, FA(ST)2Africa und Co-Hydim-SA. Für mich geht es dabei nicht nur um Forschung, sondern vor allem um partnerschaftliche Zusammenarbeit und den Aufbau nachhaltiger Strukturen und Netzwerke.

Was hat dich motiviert, ausgerechnet in Afrika zu arbeiten – insbesondere in Namibia?

Afrika hat mich schon früh begleitet: Sowohl meine Diplomarbeit als auch meine Dissertation hatten einen Bezug zum südlichen Afrika. Neben meiner inzwischen über 25 Jahren andauernden Projekttätigkeit in Afrika, war ich immer fasziniert von seiner Kultur und seiner Entwicklung und habe großes Interesse daran, gemeinsam mit Partnern dort zu arbeiten. Durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit, aber auch die Betreuung zahlreicher Studierender sind zudem viele private Kontakte entstanden. Ein wichtiger Schritt war dann die Unterstützung beim Aufbau von SASSCAL, eine gemeinsame Initiative von Angola, Botswana, Namibia, Südafrika, Sambia und Deutschland, um auf die Herausforderungen des globalen Wandels zu reagieren, die mich beruflich in das Land geführt hat. Mit der Übernahme der Position als wissenschaftlicher Direktor im Regionalsekretariat von SASSCAL in Windhoek in 2016 hat sich mein Lebensmittelpunkt schließlich vollends nach Namibia verschoben.

Wie kann man sich deine Arbeit als Koordinator vorstellen?

Das ist ein sehr vielfältiges Feld. Ein großer Teil besteht in der Interaktion mit den Projekten und dem Projektträger, um Aktivitäten abzustimmen. Ich organisiere Veranstaltungen – etwa im Rahmen des WASA-Programms oder für FA(ST)2Africa – und bin viel im Austausch mit afrikanischen Stakeholdern aus Politik, Industrie und Wissenschaft. Oft geht es auch darum, Kontakte zu vermitteln, Kooperationen anzubahnen und die Kommunikation zwischen den Partnern zu erleichtern. Natürlich spielt auch die Administration eine große Rolle, das nimmt rund die Hälfte meiner Zeit ein. Wenn es möglich ist, versuche ich zusätzlich, eigene wissenschaftliche Arbeiten voranzubringen – auch wenn das nur etwa zehn Prozent ausmacht.

Welche Herausforderungen und Chancen begegnen dir dabei?

Die Herausforderungen liegen häufig in ganz praktischen Dingen: Wenn man vom Ausland aus arbeitet ist der Zugriff auf deutsche KIT-Dienstleistungen eingeschränkt, und die Kommunikation mit Partnern in Deutschland ist manchmal umständlich. Dazu kommen gelegentliche Probleme mit Internet oder Telefonverbindungen sowie die Herausforderung, Zeitmanagement in verschiedenen Kulturen in Einklang zu bringen. Auf der anderen Seite eröffnen sich viele Chancen. Vor Ort entsteht eine Nähe zu den afrikanischen Partnern, die enorm wichtig für den Vertrauensaufbau ist. Man kann direkt unterstützen, ist verfügbar und bekommt ein tieferes Verständnis für die tatsächlichen Probleme und Bedürfnisse. Außerdem lernt man, kulturelle und gesellschaftliche Besonderheiten im Alltag mitzudenken – was die Zusammenarbeit sehr bereichert.

Welche Bedeutung hat das FA(ST)2Africa-Projekt für dich?

Ich halte es für sehr relevant. Zum einen, weil es Kooperationen zwischen Forschenden am KIT und afrikanischen Einrichtungen auf- und ausbaut. Zum anderen schafft es neue Forschungs- und Ausbildungsinitiativen und liefert fundierte Grundlagen für Entscheidungen des KIT-Präsidiums. Darüber hinaus zeigt FA(ST)2Africa meinen Kolleginnen und Kollegen das Potenzial des afrikanischen Kontinents auf und ebnet angesichts globaler geopolitischer Dynamiken den Weg für exzellente neue Partnerschaften.

Inwiefern unterscheidet sich die akademische Kultur und Infrastruktur in Afrika von der in Deutschland?

Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die akademische Kultur in Afrika stark auf Ausbildung ausgerichtet ist. Postdoc-Systeme, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es dort kaum. Viele Kolleginnen und Kollegen sind sehr stark in die Lehre und in akademische Selbstverwaltung eingebunden. Nationale Unterstützung für Forschungsarbeiten oder für die Förderung von Studierenden ist nur in geringem Maß vorhanden. Das macht internationale Kooperationen umso wichtiger.

Und wie sieht dein Leben mit deiner Familie in Afrika aus?

Im Grunde ist es gar nicht so anders als in Deutschland, aber natürlich gibt es Anpassungen. Das betrifft zum Beispiel das Schulsystem oder Fragen der Sicherheit. Außerdem bin ich durch die Projekte viel in der Region unterwegs. Es ist also ein Leben, das einerseits vertraut wirkt, andererseits aber auch stark durch die kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Afrikas geprägt ist.

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Prof. Dr. Almut Arneth erforscht seit vielen Jahren die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel, Landnutzung und Ökosystemen – international vernetzt und mit Blick auf globale Zusammenhänge. Die Ökosystemforscherin ist Professorin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), war Mitautorin des Sonderberichts des Weltklimarats Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) über Klimawandel und Landsysteme und leitet am KIT-Campus Alpin die Abteilung für Wechselwirkungen zwischen Biosphäre und Atmosphäre.

Gerade in vielen Regionen Afrikas sind Veränderungen von Landnutzung, Vegetation und Klima entscheidend: Sie beeinflussen unmittelbar Ernährungssicherheit, Wasserressourcen und die Fähigkeit von Ökosystemen, die dortigen Gesellschaften bei Klimaschutz und Anpassung zu unterstützen. Arneth arbeitete deshalb wiederholt mit Partnern aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern zusammen.

Im Interview berichtet sie, warum afrikanische Perspektiven wichtig sind und welche Chancen die Zusammenarbeit für die Klimaforschung eröffnet.

Was hat Sie ursprünglich zur Ökosystem- und Klimaforschung gebracht?

Neben einem generellen Interesse an Ökologie war das ein gradueller Prozess – vom Studium über die Promotion bis zu verschiedenen Stationen danach. Immer beeinflusst durch Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Und letztlich auch durch Zufälle und spontan ergriffene Möglichkeiten.

Welche Rolle spielt der afrikanische Kontinent in Ihrer Forschung?

Meine erste selbständige Nachwuchsgruppe im Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) war am Max-Planck-Institut für Biogeochemie (MPI) in Jena angesiedelt. Ein Kollege dort hatte gute Kontakte zum Okavango Research Centre in Maun, Botswana, und baute mit Kolleg*innen von dort eine Messstation auf, mit der unter anderem der Kohlendioxid-Austausch und die Evapotranspiration in Mopane-dominierten Savannen untersucht wurden. In meiner Emmy Noether Gruppe führten wir zusätzliche, vergleichende Messungen und Modellierungen an weiteren Ökosystemen im Okavango-Delta durch, vor allem auf saisonal geflutetem Grasland.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern nennen, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Die Gelegenheit, in einem weltweit einzigartigen Ökosystem wie dem Okavango-Delta mehrmals im Jahr Freilandmessungen machen zu dürfen – inmitten einer einzigartigen Pflanzenwelt und Tieren wie Giraffen, Büffeln, Löwen und Krokodilen – bleibt unvergesslich. Ohne unsere Kolleginnen und Kollegen in Maun wäre das unmöglich gewesen.

Welche spezifischen Herausforderungen oder Chancen sehen Sie in der Forschung in und mit Afrika?

Ein großes Problem ist die Finanzierung – für aufwändige, vor allem langfristige Messungen, für Modellentwicklung und für dauerhaft angestelltes, gut ausgebildetes Personal. Bürokratie kann ebenfalls eine Herausforderung sein, wobei Deutschland im internationalen Vergleich auch nicht glänzt. Chancen liegen in der Arbeit in einem unglaublich dynamischen Umfeld: Demographie, ökonomische Entwicklungen, Urbanisierung, Klimawandel – aus akademischer Sicht ist das hochspannend.

Was wünschen Sie sich für die Zusammenarbeit von afrikanischen und deutschen Partnern im Rahmen von FA(ST)2Africa?

Vor allem eine differenzierte Betrachtung des Kontinents. „Afrika“ ist sehr pauschal – Südafrika ist nicht der Sudan, wie Griechenland nicht Norwegen ist. Solche Unterschiede sollten sich auch in der Wortwahl widerspiegeln. Darüber hinaus wünsche ich mir regen Austausch auf Augenhöhe, Wertschätzung von Diversität – und eine verlässliche finanzielle Unterstützung, damit echter Mehrwert entsteht.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welche Veränderung im Umgang mit Klima und Ökosystemen würden Sie sich weltweit am meisten wünschen?

Ökosysteme sind die Lebensgrundlage der menschlichen Gesellschaft. Darauf weisen der Weltklimarat Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und – noch nicht so lange etabliert – auch der Weltbiodiversitätsrat Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) seit Jahrzehnten hin. Im „Risk Report 2025“ des Weltwirtschaftsforums stehen extreme Wetterereignisse, Biodiversitätsverlust und Ökosystem-Kollaps, kritische Veränderungen im Erdsystem und Ressourcenknappheit ganz oben. Es wäre vielleicht an der Zeit, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft das endlich ernst nehmen.