Mid-Term Meeting: Fortschritte FA(ST)2Africa
FA(ST)2Africa Mid-Term Meeting: Neue Partnerschaften und erste Scholarship Fellows am KIT
Am 28. April fand am KIT das Mid-Term Meeting des Projekts FA(ST)2Africa statt. Gemeinsam blickten das Projektteam, KIT-Vizepräsident Prof. Thomas Hirth und beteiligte Forschende auf die bisherigen Entwicklungen und Erfolge der Initiative zurück. Im Mittelpunkt standen der Ausbau strategischer Kooperationen mit afrikanischen Partnerinstitutionen, die Weiterentwicklung gemeinsamer Forschungsaktivitäten sowie neue Impulse für zukünftige Projekte und Netzwerke.
FA(ST)²Africa stärkt strategische Partnerschaften
Seit Oktober 2024 konnte FA(ST)2Africa zahlreiche Aktivitäten erfolgreich umsetzen. Im Mittelpunkt standen dabei die Erfassung bestehender Afrika-bezogener Aktivitäten am KIT, der Aufbau neuer Partnerschaften sowie die stärkere Vernetzung zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland und Afrika.
Projektleiter Prof. Andreas Fink vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Troposphärenforschung (IMK-TRO) präsentierte einen Überblick über die erreichten Meilensteine und hob insbesondere die Etablierung neuer Austausch- und Netzwerkformate mit afrikanischen Institutionen hervor.
Projektkoordinator Dr. Marlon Maranan stellte die strategische Roadmap des Projekts vor. Diese basiert auf drei zentralen Schritten:
- Identification – Sichtbarmachung bestehender Aktivitäten und Kompetenzen
- Connection – Vernetzung von Forschenden und Institutionen
- Institutionalization – Aufbau langfristiger strategischer Partnerschaften
Ziel von FA(ST)2Africa ist es, die vielfältigen Aktivitäten des KIT mit Afrika-Bezug stärker zu bündeln und daraus nachhaltige Kooperationsstrukturen entstehen zu lassen.
Erfolgreiche Netzwerkveranstaltungen in Afrika
Ein Schwerpunkt des Meetings lag auf den beiden erfolgreichen Netzwerkveranstaltungen in Stellenbosch (Südafrika) und Nairobi (Kenia).
Dr. Davide Vanzo vom Institut für Wasser und Umwelt (IWU) und Dr. Justine Nyarige vom International Scholars & Welcome Office berichteten über das Netzwerktreffen in Stellenbosch. Ziel der Veranstaltung war es, das KIT als Forschungspartner vorzustellen und neue Kooperationen durch gezieltes Matchmaking anzubahnen. Besonders deutlich wurde dabei das große Interesse afrikanischer Partner an wissenschaftlichem Austausch, gemeinsamer Forschung und Mobilitätsprogrammen. Die Veranstaltung bot zahlreiche Gelegenheiten, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Partnerschaften anzubahnen.
Auch das Netzwerktreffen in Nairobi zeigte großes Potenzial für zukünftige Kooperationen. Dr. Justine Nyarige informierte über laufende Gespräche zum geplanten Antrag für ein „Africa Centre of Excellence“, dessen Einreichungsfrist Ende Juni 2026 liegt.
Die Präsentationen verdeutlichten zudem die thematischen Schwerpunkte der bisherigen Kooperationen. Besonders stark vertreten sind die Bereiche Wasser, Energie, Klima, Rohstoffe und nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass FA(ST)2Africa zunehmend als Plattform fungiert, um bislang voneinander getrennte Aktivitäten strategisch miteinander zu verbinden.
Mobilitätsstipendien fördern wissenschaftlichen Austausch
Pascale Köhler vom International Scholars & Welcome Office stellte die Fortschritte des FA(ST)2Africa Short-Term Mobility Scholarship Programms vor. Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus afrikanischen Partnerinstitutionen konnten bereits Aufenthalte am KIT absolvieren oder planen derzeit ihren Besuch. Dazu zählen Forschende aus Ghana, Uganda, Kenia, Äthiopien und Südafrika.
Die Stipendien stärken nicht nur den wissenschaftlichen Austausch, sondern fördern auch den Aufbau langfristiger institutioneller Kooperationen zwischen dem KIT und afrikanischen Partneruniversitäten.
Neue Themenfelder und strategische Perspektiven
Ein zentrales Anliegen des Mid-Term Meetings war die Diskussion aktueller und zukünftiger Themenschwerpunkte sowie deren Bedeutung für die Bewertung strategischer Partnerschaften innerhalb von FA(ST)2Africa. Daran beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter der KIT-Leitung sowie der beteiligten Institute.
Prof. Ina Schaefer vom Institut für Informationssicherheit und Verlässlichkeit (KASTEL) regte an, Digitalisierung und Data Science als neues Fokusfeld innerhalb des Netzwerks zu etablieren. Künftig sollen dabei auch Kooperationen mit afrikanischen Start-ups stärker berücksichtigt werden. Ziel ist es, digitale Innovationen, Wissenstransfer und anwendungsorientierte Forschung gemeinsam weiterzuentwickeln.
Prof. Thomas Hirth unterstrich die strategische Bedeutung von Solarenergie für das KIT – insbesondere im Zusammenhang mit Dekarbonisierung und nachhaltiger Energieversorgung. Hervorgehoben wurde außerdem die enge Verbindung zwischen Energie- und Rohstofffragen, etwa durch die Nutzung von Kohlenstoffanteilen aus Abfallstoffen.
Darüber hinaus wurden neue Maßnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vorgestellt. Geplant sind die Gewinnung weiterer Doktorandinnen und Doktoranden sowie die Durchführung regelmäßiger Seminare. Zudem wurden mögliche Kooperationen mit der KfW diskutiert, die derzeit gezielt nach relevanten Afrika-Initiativen sucht.
In der anschließenden Diskussion wurde die Bedeutung wissenschaftlicher Mobilität erneut hervorgehoben. Studierende und Forschende sollen die Möglichkeit erhalten, am KIT Expertise aufzubauen und dieses Wissen anschließend in ihre Heimatländer zurückzutragen. Als Beispiel wurde Nigeria genannt, wo gezielt Studierende gefördert werden, um Erfahrungen in Bereichen wie digitaler Lehre und Start-up-Entwicklung zu sammeln. Gleichzeitig wurde diskutiert, welchen Mehrwert solche Kooperationen auch für Deutschland bieten können – etwa im Hinblick auf den Fachkräftemangel in technischen Berufen.
Dario Mager vom Institut für Mikroverfahrenstechnik (IMVT) thematisierte Herausforderungen internationaler Austauschprogramme, insbesondere Fragen der Visa-Vergabe und Vorfinanzierung für internationale Studierende. Darüber hinaus kündigte er eine Summer School am KIT an.
Prof. Moritz Wolf vom Institut für Katalyseforschung und -technologie (IKFT) stellte schließlich ein von der Helmholtz-Gemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt zu nachhaltigen Kraftstoffen vor, das bis Ende 2026 verlängert wurde. Das Projekt umfasst intensive Kooperationen mit afrikanischen Hochschulen, darunter die University of Cape Town in Südafrika.
Ausblick auf 2026
Für das Jahr 2026 sind zahlreiche weitere Aktivitäten geplant. Dazu gehören:
- ein interkulturelles Training für Kooperationen mit Ostafrika,
- eine Donor Engagement Conference am 29. September 2026 am KIT,
- die Weiterentwicklung der KIT-Afrika-Strategie,
- neue DAAD- und EU-Anträge,
- sowie der weitere Ausbau wissenschaftlicher Netzwerke.
Deutsch-Afrikanischer Innovationsförderpreis 2026
Jetzt bewerben: Deutsch-Afrikanischer Innovationsförderpreis 2026 stärkt Forschung und Innovation
Internationale Forschung lebt von mutigen Ideen, Partnerschaften und dem gemeinsamen Wunsch, die globalen Herausforderungen zu lösen. Mit dem neu ausgeschriebenen Deutsch-Afrikanischen Innovationsförderpreis 2026 setzt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ein deutliches Zeichen für genau diese Zusammenarbeit – und eröffnet Forschenden in Deutschland und Afrika neue Chancen für gemeinsame Innovationen mit gesellschaftlicher Wirkung.
Gesucht werden deutsch-afrikanische Forschungsprojekte mit hohem Anwendungspotential: Forschung, die konkrete Lösungen schafft – für Gesundheit, Klima, Mobilität, Nachhaltigkeit oder technologische Entwicklung. Der Förderpreis richtet sich an afrikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die gemeinsam mit deutschen Partnerinstitutionen innovative Forschungsergebnisse weiterentwickeln und in die Praxis überführen möchten.
Gerade für bestehende Kooperationen am KIT bietet die Ausschreibung Potential. Aber auch neue Partnerschaften sind ausdrücklich willkommen. Gefördert werden gemeinsame Projekte unter anderem in den Bereichen:
- Künstliche Intelligenz
- Gesundheitsforschung
- Biotechnologie
- klimaneutrale Energie und Mobilität
- Klima- und Nachhaltigkeitsforschung
- Luft- und Raumfahrt
- Quantentechnologien
Neben einer Förderung von bis zu 150.000 Euro über maximal 24 Monate unterstützt das Programm die Forschenden zusätzlich mit Transfer- und Qualifizierungsangeboten, Vernetzungsmaßnahmen sowie Beratung zu Verwertung und Innovationsentwicklung. Ziel ist es, langfristige Innovationsstrukturen und nachhaltige wissenschaftliche Netzwerke zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern aufzubauen.
FA(ST)2Africa möchte Forschende am KIT ermutigen, sich mit afrikanischen Partnerinnen und Partnern zu vernetzen, bestehende Kooperationen auszubauen oder neue Projektideen zu entwickeln. Die Einreichungsfrist für Projektskizzen endet am 30. Juni 2026.
Weitere Informationen:
TWAS-DFG Cooperation Visits Programme
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) macht gemeinsam mit The World Academy of Sciences (TWAS) auf das TWAS-DFG Cooperation Visits Programme aufmerksam. Das Programm ermöglicht promovierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in frühen Karrierephasen aus Ländern Subsahara-Afrikas einen dreimonatigen Forschungs- und Kooperationsaufenthalt an einer wissenschaftlichen Einrichtung in Deutschland.
Ziel ist es, wissenschaftliche Kooperationen zu stärken, neue Forschungsimpulse zu setzen und langfristige Partnerschaften zwischen deutschen und afrikanischen Forschungseinrichtungen aufzubauen.
💰 Förderumfang
Die DFG stellt folgende Mittel zur Verfügung:
- Bis zu 2.350 Euro monatlich für Aufenthaltskosten (an die gastgebende Einrichtung)
- Reisekostenerstattung bis zu 1.350 Euro (Flug, Bahn, Visagebühren)
- Bis zu 700 Euro monatlich für projektspezifische Sachmittel (z. B. Material- oder Laborkosten)
✅ Antragsvoraussetzungen
Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler müssen:
- eine Forschungsstelle an einer Einrichtung in einem Land Subsahara-Afrikas innehaben (ausgenommen Ägypten, Algerien, Libyen, Marokko, Tunesien),
- mindestens fünf Jahre wissenschaftliche Tätigkeit im Subsahara-Afrika oder in definierten Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas nachweisen,
- ihre Promotion nicht vor 2021 abgeschlossen haben (mit familienbezogenen Ausnahmen für Wissenschaftlerinnen),
- aktuell nicht in Deutschland tätig sein und keine laufende Forschung mit der gastgebenden Einrichtung unterhalten.
Antragsfrist: 15. April 2026
Weitere Informationen erhalten Sie hier (Link: TWAS-DFG Cooperation Visits Programme | DFG)
FA(ST)2Africa vor Ort: Klimaforschung, Ausbildung und Partnerschaften in Westafrika
FA(ST)2Africa vor Ort: Klimaforschung, Ausbildung und Partnerschaften in Westafrika
Vertrocknete Böden, veränderte Regenzeiten und eine zunehmende Häufigkeit extremer Wetterereignisse prägen vielerorts den Alltag in Westafrika. Was in Klimamodellen simuliert und analysiert wird, ist vor Ort längst Realität – mit direkten Auswirkungen auf Landwirtschaft, Wasserverfügbarkeit und gesellschaftliche Stabilität.
Vor diesem Hintergrund reiste Dr. Marlon Maranan, Projektkoordinator von FA(ST)2Africa, im Dezember 2025 nach Westafrika. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts NetCDA (Deutsches Netzwerk für akademische Ausbildung zur Anpassung an den Klimawandel in Afrika) besuchte er die Partneruniversität in Akure (Nigeria) und einen NetCDA-Strategieworkshop in Lomé (Togo). Ziel der Reise war es, akademische Ausbildungsformate weiterzuentwickeln, wissenschaftliche Kooperationen zu vertiefen und gemeinsame Strategien für den langfristigen Kapazitätsaufbau im Bereich Klimaanpassung zu stärken. Der direkte Austausch mit engagierten Nachwuchswissenschaftlern vor Ort stimmte Dr. Maranan zugleich nachdenklich und zuversichtlich. „Reisen nach Westafrika bedeuten oft, den Folgen des Klimawandels direkt ins Auge zu blicken. Die Interaktion mit motivierten Jungwissenschaftlern und Doktoranden gibt mir aber immer wieder aufs Neue das Gefühl, dass sie bereit sind für die großen Herausforderungen und Veränderungen“, erläuterte der Meteorologe Dr. Maranan vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am KIT.
Forschungsaufenthalte und die Zusammenarbeit mit Afrika stärken
Nominierungen für FA(ST)2Africa Mobility Scholarships sind jetzt möglich!
Mit den FA(ST)2Africa Kurzzeitstipendien für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie administratives Personal von Universitäten oder anderen relevanten Einrichtungen setzt das KIT ein deutliches Zeichen für den Ausbau strategischer Partnerschaften mit dem afrikanischen Kontinent. Das Stipendienprogramm ermöglicht es KIT-Akteuren, exzellente Forschende oder Verwaltungspersonal aus Subsahara-Afrika für ein bis drei Monate nach Karlsruhe einzuladen.
Gefördert werden Forschungsaufenthalte, die dazu beitragen, gemeinsame Projekte in Wissenschaft und Lehre aufzubauen oder zu vertiefen – etwa durch Pilotprojekte, Antragsskizzen oder die gemeinsame Publikation zentraler Forschungsergebnisse. Zusätzlich können Personen aus der Administration eingeladen werden, die ein Interesse daran haben, das KIT im Ausbau strategischer Partnerschaften mit Einrichtungen in Afrika zu unterstützen.
Nominiert werden können promovierte Forschende mit herausragendem wissenschaftlichem Profil und nachgewiesener Erfahrung in internationaler Zusammenarbeit. Beim administrativen Personal sind deren aktuelle Position und ihre Netzwerke vor Ort von Interesse. Voraussetzung ist, dass sie seit mindestens fünf Jahren in einem Land Subsahara-Afrikas leben und zum Zeitpunkt der Auswahl nicht in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in Deutschland stehen.
Nominierungsberechtigt sind ausschließlich KIT-Mitarbeitende, die aktiv am Projekt FA(ST)2Africa beteiligt sind. Direkte Bewerbungen durch Personen aus Afrika sind nicht möglich.
Die Auswahl erfolgt durch ein interdisziplinäres Gremium auf Basis wissenschaftlicher Exzellenz, Innovationspotenzial und der Perspektiven für nachhaltige Kooperationen. Es sind bis zu acht Stipendien mit einer Laufzeit von jeweils ein bis drei Monaten vorgesehen, bzw. im Falle administrativen Personals mit einer Laufzeit von ein bis zwei Wochen.
Nächste Einreichfrist: 15. Dezember 2025
Kontakt und Einreichung: fast2africa∂intl kit edu
Gemeinsam für Klimaresilienz: KIT und afrikanische Partner bei der COP30
Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen steht die internationale Klimapolitik vor einem neuen Prüfstein. Auf der Weltklimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, bringen Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ihre Expertise ein – unter ihnen Prof. Harald Kunstmann, Leiter der Abteilung Regionale Klimasysteme am Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen. Seit 2015 ist er regelmäßig auf den Weltklimakonferenzen engagiert.
Gemeinsam mit Partnerinstitutionen organisiert Kunstmann am 12. November 2025 das Side-Event „Early Warning, Anticipatory Action and Risk Insurance for Proactive Disaster Management“. Ziel des Events ist es, aktuelle Entwicklungen und Möglichkeiten der Frühwarnung von hydrometeorologischen Extremen wie Dürren, Hitzewellen und Hochwasser besser vorherzusagen, und zwar mit einem Fokus auf den afrikanischen Kontinent. Der Event wurde im mittlerweile etablierten „Co-Design“ über die Kontinente hinweg vorbereitet, „Wir sind Experten in der wissenschaftliche Methodenentwicklung, aber natürlich sind afrikanischen Kollegen und Kolleginnen die Experten vor Ort. Gemeinsam sind wir in der Umsetzung von Frühwarnsystemen sich hervorragend ergänzende Teams.“, sagt Kunstmann.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Fortschritte in der saisonalen Klimavorhersage. In seinem Beitrag „Early Warning for Droughts with Subseasonal to Seasonal Predictions: Current Achievements and Regional Co-design in Africa“ stellt Kunstmann aktuelle Forschungsergebnisse vor, die zeigen, wie sich Dürren mit verbesserten Vorhersagemodellen frühzeitig erkennen lassen. „Wir sind immer besser in der Lage, bis zu sieben Monate im Voraus Anomalien in Temperatur oder Niederschlag vorherzusagen – zwar nicht tagesgenau, aber wir können sagen, ob ein Monat insgesamt zu warm oder zu nass sein wird“, erklärt er. „Besonders in tropischen Regionen ist das immer besser möglich. Mit statistischen Verfahren und Methoden der Künstlichen Intelligenz können wir die Zuverlässigkeit der Roh-Vorhersagen deutlich verbessern und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung.“
Dass sich der Aufwand einer Teilnahme an der COP30 lohnt, ist für ihn keine Frage: „Parallel zu den diplomatischen und politischen Verhandlungen ist die COP eine große Messe, auf der das neueste Wissen ausgetauscht wird, man voneinander lernen kann und schließlich auch neue Klimaschutzmaßnahmen lanciert werden. Die COP ist die einzige Plattform, auf der Forschende, Nichregierungsorganisationen, Unternehmen und politische Entscheidungsträgerinnen und -träger zusammenkommen. Die damit verbundene Dynamik war bei den bisherigen COP ein Motor vieler positiver Entwicklungen.“
Wie beurteilt Kunstmann die Entwicklung in der Klimaforschung? Er hebt besonders die verbesserten Klimadatenverfügbarkeit als einen Meilenstein der vergangenen Dekade hervor: „Der offene Zugang zu Klimadaten über das europäische Copernicus-Programm hat die Forschung entscheidend vorangebracht. Diese Daten sind die Grundlage vieler Analysen und Prognosen zu Wetterextremen oder Wasserverfügbarkeit und schaffen eine gemeinsame Wissensbasis für die internationale Zusammenarbeit.“
Die Arbeiten von Kunstmann und seinem Team sind eng mit den Zielen des KIT-Projekts FA(ST)2Africa verbunden, durch das die Kooperationen mit afrikanischen Partnerinstitutionen gefördert und intensive ausgebaut werden soll. Gemeinsam sollen durch das Projekt Strategien entwickelt werden, um Klima-, Wasser- und Energiefragen praxisnah und regional differenziert zu bearbeiten.
Auch andere Forschende des KIT, darunter Prof. Joaquim Pinto und Prof. Andreas Fink vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Troposphärenforschung (IMK-TRO), betonen die Fortschritte der letzten zehn Jahre. „Die Klimaforschung hat ihr methodisches und inhaltliches Verständnis des Erdsystems deutlich vertieft“, sagt Pinto. „Erdsystemmodelle erreichen heute Kilometerauflösungen und liefern präzisere Simulationen zu Starkregen, Sturzfluten oder Sturmintensitäten.“ Fink ergänzt: „Heute wissen wir noch viel mehr über das Klimasystem – und es gibt keine Entwarnung. Wir haben mehrere potenzielle Kipppunkte besser identifiziert und ihre Wechselwirkungen abgeschätzt. Niemand kann mehr sagen, er habe von diesen Risiken nichts gewusst.“
Zehn Jahre nach Paris zeigt sich damit: Das Wissen über Klimaprozesse ist gewachsen, die Verantwortung auch. Mit Projekten wie FA(ST)2Africa und dem Engagement seiner Forschenden trägt das KIT dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse in Handlungsstrategien zu übersetzen – und globale Kooperationen für den Klimaschutz zu stärken.
Frühwarnsysteme und KI: Schlüssel für Afrikas Anpassung an den Klimawandel
FA(ST)2Africa-Projektleiter Prof. Dr. Andreas Fink betont in seinem Beitrag für das Deutsche Klima-Konsortium, wie entscheidend funktionierende Frühwarnsysteme für Afrika sind. Extreme Dürren und Fluten zeigen: Es braucht ein dichtes Netz an Echtzeitbeobachtungen, verlässliche Vorhersagen und eine schnelle Kommunikation der Warnungen an Bevölkerung und Behörden. Doch Afrika verfügt nach wie vor über das weltweit dünnste Wetterbeobachtungsnetz – und selbst die Satellitenbeobachtung mit Unterstützung der USA könnte künftig eingeschränkt sein.
Eine große Chance liegt im Einsatz von Künstlicher Intelligenz. KI-gestützte Modelle können Vorhersagen verbessern und mit geringer Rechenleistung direkt von afrikanischen Wetterdiensten genutzt werden – vorausgesetzt, es gibt genügend lokale Daten und gut ausgebildete Fachkräfte.
Gerade hier setzt FA(ST)2Africa an: durch den Austausch von Wissen und die Förderung junger Wissenschaftler:innen, die die Klimaforschung auf dem Kontinent aktiv mitgestalten.
Weitere Informationen finden Sie hier. Afrika im klima- und geopolitischen Wandel : Deutsches Klima Konsortium
Äthiopische Delegation besucht das KIT – Austausch über Center of Excellence und internationale Forschungspartnerschaften
Am Freitag, den 16. Mai 2025, begrüßte das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine hochrangige Delegation aus Äthiopien. Die Gruppe setzte sich aus drei Vizepräsidenten führender äthiopischer Universitäten sowie Vertreterinnen und Vertretern des Bildungsministeriums zusammen. Im Zentrum des Besuchs stand der Wunsch, sich über die vielfältigen Forschungs- und Lehraktivitäten am KIT auszutauschen und Anknüpfungspunkte zur Weiterentwicklung der äthiopischen Centers of Excellence zu identifizieren.
Die Gäste wurden von dem Vizepräsidenten für Lehre und akademische Angelegenheiten, Prof. Alexander Wanner begrüßt. Projektleiter Prof. Andreas Fink stellte anschließend das Strategiefondsprojekt FA(ST)2Africa vor, das zum Ziel hat, die afrikabezogenen Forschungs- und Wissenschaftsaktivitäten am KIT sichtbar zu machen, auszubauen und eine Afrika-Strategie für das KIT zu entwickeln. Zentrale Themenfelder sind dabei Energie, Wasser, Klima und Rohstoffe.
Anschließend erhielten die Gäste praxisnahe Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte: Im Light Technology Institute stellte Prof. Alexander Colsmann Entwicklungen im Bereich organischer Photovoltaik vor. Am Institut für Wasser und Umwelt informierten Prof. Olivier Eiff, Prof. Erwin Zehe und Dr.-Ing. Frank Seidel über laufende Arbeiten zu hydrologischen Fragestellungen. Den Abschluss des Vormittags bildete die Vorstellung neuester Technologien im Bereich Membranverfahren durch.
Am Nachmittag zeigte Prof. Andrea Iris Schäfer die Arbeiten am Institut für Advanced Membrane Technology, das im Campus Nord verortet ist. Anschließend gaben Prof. Wilhelm Stork und Markus Lehner Einblicke in aktuelle Projekte zu Embedded Systems und Sensorik am FZI .
Die Delegation zeigte sich beeindruckt vom Innovationspotenzial und dem interdisziplinären Ansatz des KIT. Besonders der offene Dialog und das Engagement für nachhaltige Partnerschaften wurden hervorgehoben.






