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Besteuerung

Das deutsche Steuersystem gehört zu den weltweit Kompliziertesten. Dennoch werden wir versuchen, Ihnen die für Ihren Aufenthalt grundlegendsten Belange des deutschen Steuerwesens darzustellen.


Forschungsaufenthalte im Rahmen eines Arbeitsvertrages

Sofern Ihr Forschungsaufenthalt auf einem Arbeitsvertrag basiert und länger als sechs Monate andauert, unterliegen Sie grundsätzlich der deutschen Besteuerung. Eine der bedeutendsten Steuern ist die sogenannte Einkommensteuer. Sie wird unmittelbar von Ihren monatlichen Gehaltszahlungen abgeführt. Die Höhe der abgeführten Steuer ist grundsätzlich von Ihrem Ehestand, der Höhe Ihres Gehaltes und Ihrer Steuerklasse abhängig.

Zu Beginn Ihrer Beschäftigung müssen Sie grundsätzlich eine sogenannte `Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug´ einreichen. Sofern Sie bis einschließlich 2010 bereits in Deutschland beschäftigt waren, ist die `Lohnsteuerkarte 2010´ einzureichen. Den Antragsvordruck zum Erhalt der `Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug´ erhalten Sie hier. Um die Antragstellung in die Wege zu leiten, kann das Formular grundsätzlich beim IScO eingereicht werden.

Forschungsaufenthalte auf der Grundlage eines Stipendiums

Sofern Ihr Aufenthalt auf einem Stipendium beruht, unterliegen Sie grundsätzlich nicht der deutschen Einkommensteuer, sofern die folgenden Voraussetzungen vorliegen:

  • Das Stipendium wird durch öffentliche bzw. gemeinnützige Stellen bereitgestellt.
  • Das Stipendium dient der wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Ausbildung.
  • Das Stipendium übersteigt nicht die hierzu üblicherweise erforderliche Höhe.
  • Die Zuwendung erfolgt auf Grundlage der üblichen Regeln des Stipendiengebers.
  • Das Stipendium beinhaltet keine irgendwie geartete Dienstverpflichtung des Zuwendungsempfängers.
  • Insbesondere bei Stipendien ausländischer Geber ist jedoch zu beachten, dass gegebenenfalls eine Steuerpflicht im jeweiligen Geber- bzw. in Ihrem Heimatland bestehen kann.

 


Doppelbesteuerungsabkommen

Um eine doppelte Besteuerung in Deutschland und den unterschiedlichen Herkunftsländern zu vermeiden, wurden seitens der deutschen Regierung unzählige Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung abgeschlossen. Auf der Website des deutschen Finanzministeriums finden Sie hierzu weitere Informationen.
Falls Sie sich in Deutschland weniger als drei Monate aufhalten, unterliegen Sie der Besteuerung durch Ihr Heimatland, sofern Sie für einen ausländischen Arbeitgeber arbeiten und das Recht zur Besteuerung in jeweils einschlägigen Abkommen Ihrem Heimatland zuerkannt wurde. Sollte dies nicht zutreffen, wird Ihr Gehalt durch den deutschen Fiskus besteuert. Allerdings sind insbesondere für Universitätsdozenten und –forscher in einigen Abkommen durchaus auch Ausnahmeregelungen vorgesehen.


Einkommensteuererklärung

Nach jedem Kalenderjahr kann durch jeden Steuerpflichtigen eine Steuererklärung vorgenommen werden. Sofern Ihr Einkommen allein auf Erwerbstätigkeit beruht, sind Sie nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Allerdings kann durch eine solche Steuererklärung in nicht wenigen Fällen eine Erstattung zuviel gezahlter Steuer erzielt werden. Die hierzu erforderlichen Antragsbögen erhalten Sie in jedem Finanzamt oder auch in Ihrem Rathaus. Die Frist zur Abgabe der Steuererklärung endet in der Regel im Mai des Folgejahres, spätestens jedoch am 31. Dezember. Da die Abgabe einer Steuererklärung für Laien ein nicht gerade einfaches Unterfangen ist, bietet sich die Hinzuziehung eines Steuerberaters an. Die Gebühr hierfür ist abhängig von der Höhe Ihres zu versteuernden Einkommens. Auf der Homepage des deutschen Steuerberaterverbands findet sich eine Liste aller deutschen Steuerberater. Alternativ können Sie Ihre Steuererklärung auch durch den Lohnsteuerhilfeverein erledigen lassen. Allerdings müssen Sie diesem zuvor als Mitglied beigetreten sein.

 


Kirchensteuer

Bei der von staatlicher Seite eingezogenen Kirchensteuer handelt es sich um eine deutsche Besonderheit. Die Kirchensteuer wird zusammen mit der Einkommensteuer für alle Kirchengemeinden erhoben, die in Deutschland den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts besitzen und dem Staat die Aufgabe des Kirchensteuereinzuges übertragen haben. Die Kirchensteuer beläuft sich auf 9% der jeweils zu entrichtenden Einkommensteuer. Derzeit wird von den deutschen Finanzbehörden mit Ausnahme der bayerischen Finanzbehörden für folgende Kirchengemeinden die Kirchensteuer erhoben: der Römisch-katholischen Kirche, den Lutheranischen bzw. Reformierten Evangelischen Kirchen, verschiedene protestantische Freikirchen und den Jüdischen Gemeinden. Für die anglikanische Kirche und orthodoxe christliche Gemeinden wird keine Kirchensteuer erhoben.